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Masr al-Qahirah (Kairo)

Ständig verstopfte Straßen und die abgasgeschwängerte Luft machen eine Erkundung der rasch wachsenden Millionenstadt zum zwiespältigen Erlebnis. Trotzdem ist Kairo keine Stadt für einen Tag oder eine Woche — im islamischen Viertel würde selbst ein Monat nicht ausreichen, um es auch nur halbwegs kennenzulernen.

AS-SAHRA’ AL-GHARBIYAH

Die westliche Wüste bedeckt immerhin zwei Drittel der Landesfläche Ägyptens — das sind 681.000 km2, was in etwa der Größe Frankreichs entspricht. Sie blieb jedoch aufgrund ihrer extremen Aridität bis in unser Jahrhundert ein weißer Fleck auf den Landkarten.

Von der Südwestecke des Landes, wo das Djilf Kabir eine Höhe von etwa 1000 Metern üNN erreicht, fällt es stetig gen Nordosten ab. Tiefe Depressionen haben sich eingegraben: Im Osten die Senken des Wadi al-Djadid und im Norden die Munkhafad al-Qattarah.

Im Süden besteht die Westwüste aus paläozoischem nubischem Sandstein, im Zentrum aus Kalksteinen des Eozän, über denen im Norden jüngere Kalksteine des Miozän anstehen. Allein die im äußersten Südwesten gelegenen Massive des Djilf Kabir und Djabal ‘Uwaynat sind aus den auch für die Zentralsahara typischen vulkanischen und metamorphen Gesteinen gebildet.

Abseits der Oasen war und ist die Westwüste nicht besiedelt. Nur im äußersten Norden leben die ‘Awlad ‘Ali als Nomaden. Die Oasenbewohner dagegen sind Bauern, die seit Jahrhunderten Landwirtschaft betreiben und kaum über ihren Oasenrand blicken. Für sie war die Wüste stets bedrohlich, denn aus ihren Tiefen kamen Nomaden unbekannter Herkunft, die ihnen buchstäblich die Früchte ihrer Arbeit stahlen.

MUNKHAFAD AL-QATTARAH

In diesem nahezu 20.000 km2 großen Gebiet liegen auf Schritt und Tritt unzählige marine Fossilien wie Muscheln, Schnecken, Seeigel, Haifischzähne und Unmengen seltsamer Steinformationen. Die stetig vom Mittelmeer her wehenden Winde haben den unter dem miozänzeitlichen liegenden eozänischen Kalkstein freigeblasen und so einen Großteil des Sandes im Bahr ar-Rimal produziert. Im Inneren der bis zu 134 Meter unter dem Meeresspiegel liegenden Qattarah breiten sich riesige Salzmarschen aus. Die vom Mittelmeer kommende Luftfeuchte in Verbindung mit dem oberflächennahen Grundwasser geben einer reichen Flora Nahrung. Dennoch findet sich nur eine einzige noch bewohnte Oase: Qarat ‘Umm as-Saghir. Durch die führte die von Tripolis und Siwah kommende Karawanenroute „Darb Siwah“ an den Nil.

Sitra, Nuwaymissah & Bahrayn

passierte der Darb Siwah weiter östlich. Von Tamarisken und Palmen umstandene Brackwasserseen ziehen zahllose Wasservögel, darunter Flamingos, an.

al-’Aradj

ist von der sie umgebenden Wüste aus nicht zu sehen, denn die (bereits von Rohlfs besuchte) Oase liegt, allseits von Kalksteinwänden umgeben, in einer tiefen Senke. In deren Flanken gähnen die leeren Höhlen zahlreicher ptolemäischer und römischer Grabkammern.

al-Wahat as-Siwah

Die westlichste der ägyptischen Oasen wird von Berbern bewohnt, die sich ihre eigene Sprache und Kultur durch die Jahrhunderte bewahren konnten. Denn bis zum Bau der Asphaltstraße hoch ans Mittelmeer hatte Siwah kaum Kontakt zur Außenwelt. Das war in der Antike anders: Spätestens seitdem sich Griechen im 7. Jh.v.Chr. an der Küste niedergelassen hatten, wurden die Siwahner eifrige Händler, die den neuen Siedlern die begehrten Güter aus Zentralafrika verschafften. Ins Rampenlicht der Geschichte gerät Siwah mit dem in einer Katastrophe endenden Feldzug des Kambyses gegen die Oase und mit der Ausrufung Alexanders des Großen zum Pharao durch das örtliche Orakel.

AL-BAHR AR-RIMAL AL-KABIR

Das „Große Sandmeer“ ist eine absolut wasser- und vegetationslose Sandwüste voller uralter, zernarbter, in Form und Farbe ungeheuer vielfältiger Dünenzüge mit einer Höhe von oft mehr als 100 Metern. Im Inneren birgt das Bahr ar-Rimal Schätze wie versteinerte Wälder und Tierskelette, vom Wind angenagte, rostrot verwitterte Treibstoffkanister und das Gerippe eines Geländewagens — Relikte des 2. Weltkrieges.

Besonders der Einstieg von Siwah aus gestaltet sich schwierig. Denn während die Dünen weiter südlich strikt Nordnordwest-Südsüdost ausgerichtet sind, bilden sie südlich der Oase ein Chaos ineinanderlaufender, sich überschneidender Sandberge. Hier schauen immer wieder die Spitzen des untenliegenden Kalksteines aus dem Sand hervor – meist vom Wind zu aberwitzig wirkenden Formen wie Hüten, Pilzen und Kegeln gebildet.

‘Ayn Dallah

besteht aus ein paar kümmerlichen Palmen und Tamarisken um einen artesischen Brunnen voller gutschmeckenden, süßen Wassers. Das ägyptische Militär hat an der strategisch günstig gelegenen Oase einen Posten eingerichtet.

Ammonitenberge (Ammonite scarp)

Bereits von Rohlfs entdeckte Kliffs aus mesozoischem Kalkstein voller Weichtierfossilien. An ihrem Fuße lagen in der Jungsteinzeit wohl Siedlungen, denn dort finden sich Unmengen neolithischer Steinartefakte (die wir aber allesamt dort liegenlassen!).

Regenfeld

„Ehe wir unseren Lagerplatz verliessen, wurde folgendes Document in einer Flasche fest verschlossen deponirt: »Lagerplatz der von Rohlfs geleiteten Expedition in die libysche Wüste. Auf diesem Punkt ... hat die Expedition ... in der Stärke von 7 Mann mit 15 Kamelen gelagert. Wegen eines am 2. und 3. Februar gefallenen Regens, welcher 16 Mm. Wasserhöhe lieferte, wurde diese Gegend Regenfeld genannt.«“ Kamal ad-Din und Almásy suchten den Ort Jahre später auf, entnahmen die Nachricht ihres jeweiligen Vorgängers und plazierten neue.

‘Abu Ballas („Vater der Krüge“)

Die Datierung der einst mehr als hundert bauchigen Tonkrüge, die am Fuße eines Hügels etwa 160 Kilometer westlich von Dakhilah inmitten der Wüste liegen, ist mehr als umstritten. Sie reicht von „perserzeitlich“ bis ins 20. Jahrhundert. Carlo Bergmann hat herausgefunden, daß ‘Abu Ballas nur ein Depot auf einer noch unbekannten Karawanenroute ist. Ihr östliches Ende war Dakhilah, das ist klar. Doch wo führte die Route hin und wann wurde sie benutzt, wann aufgegeben?

Silica Glass

Fundstelle eines mittlerweile heiß begehrten und teuer gehandelten, zu 98% aus Silikaten bestehenden, gelbgrünlich schimmernden Steines nördlich des Djilf Kabirs. Alter und Herkunft dieses sehr raren Gesteins sind weitgehend ungeklärt.

DJILF KABIR (DJABAL ASH-SHIMALI)

Erst in den Jahren 1925/26 wurde das Djilf Kabir, mit etwa 12.000 km2 größer als der Libanon, von Kamal ad-Din Hussayn, dem damaligen Kronprinzen Ägyptens, für die europäische Welt entdeckt. In Unkenntnis seines eigentlichen Namens Djabal ash-Shimali nannte er es „Große Klippe“. Seine Erforschung aber ist untrennbar mit Lazlo Almásy verbunden, der hier nach dem legendären Zarzora suchte.

Das Djilf, dessen Oberfläche sich leicht von Westen nach Osten senkt, besteht aus dunklem Sandstein um einen basaltenen Kern. Während die nordwestliche Kante des ash-Shimali von einigen Wadibetten durchbrochen wird und relativ gut zugänglich ist, branden gegen die nördliche und die stark zerklüftete nordöstliche Seite die Dünen des Bahr ar-Rimal an. Die Haupttäler im Nordwesten sind die Wadis Talh, ‘Abdulmalik (nach Almásy das legendäre Zarzurah) und Hamrah. Die nördliche Westwand wird zudem von zahlreichen kleineren Wadis unterbrochen, darunter das berühmte Wadi Surah. Weiter südlich ragt das Massiv bis zur Südspitze fast ununterbrochen etwa 300 Meter auf. Vor der Südspitze liegt das Denkmal für Kamal ad-Din. Die niedrigere Südost- und Ostseite des Djilf werden von etwa einem Dutzend tief ins Plateau eingeschnittener Wadis wie den Wadis ‘Ard al-’Akhdar, Wasa’, al-Bakht, al-Maftuh und al-Mashi unterbrochen.

Wadi Talh

Das westlichste der drei großen „Wadis“ im Norden ist nach den hier allein wachsenden Talh-Akazien benannt. Das langgestreckte Oval ohne Abfluß ist eigentlich kein Wadi, sondern ein Grabenbruch. Nach den Aussagen der Tibu, die hier — aus dem Tibesti kommend — über Jahrhunderte ihre Herden weideten, versiegten die Quellen des Talh immer als letzte.

Wadi ‘Abdulmalik

ist das mittlere und das längste der drei großen Wadis. Es tritt an der Nordwestecke des Djilf aus dem Plateau heraus und ist auf eine Länge von etwa 20 Kilometern mit Bäumen bestanden, bevor es sich ganz im Süden verzweigt. Seinen Namen erhielt es von dem Zwayah (Stamm aus der libyschen Wüste, dessen Mitglieder meist als Karawanenführer arbeiteten) ‘Abdulmalik, der hier viele Jahre mit seinen Kamelen lebte.

Wadi Hamrah

bedeutet das rote Tal, und in der Tat sind seine felsigen Wände mit rotem Sand bedeckt. Es entwässert nicht nach Norden, sondern sucht sich seinen Weg zum Nordostrand des Djilf.

Wadi Surah

Von Almásy so benannt, nachdem seine Kollegen und er in diesem kleinen Wadi in insgesamt vier Bilderhöhlen unzählige Felsbilder (Surah heißt Bild) von Wildtieren wie Löwen und Giraffen, außerdem Herden-, Tanz- und Kampfszenen, aber auch — in der berühmten „Höhle der Schwimmer“ — auf dem Bauch liegende Figuren mit ausgestreckten und gleichzeitig angehobenen Extremitäten gefunden hatten.

Drei Burgen

Aus drei Hügeln bestehende Felsformation vor der Westkante des Djilf Kabir. Nahe der drei Burgen „erbeutete“ Almásy während der „Operation Salam“ (er schleuste während des 2. Weltkrieges zwei deutsche Spione mitten durch die Libysche Wüste zum Nil) Benzin aus dort deponierten Fahrzeugen der Alliierten.

Wadi Addax

wurde von Almásys Begleiter Penderel während eines Erkundungsfluges entdeckt. Es zieht sich zunächst gen Norden, biegt aber dann in einem Bogen nach Nordosten ab und verläßt das Djilf an seiner Nordostseite. Es ist mit weichen Sanddünen angefüllt, die teils bis zur Plateauoberkante reichen.

al-’Aqabah & Mamar, Lama Point & PPPP

Die Hauptroute über das Plateau führt im Westen entweder über al-’Aqabah oder Mamar auf das Plateau hinauf und im Osten über Lama Point oder PPPP (Penderel’s Peerless Private Passage) wieder hinunter. Alle diese Namen sind mit ihren Entdeckern verbunden.

Wadi Wasa’ & Wadi ‘Ard al-’Akhdar

bilden zusammen das breiteste Wadi im Süden des Djilf al-Qibli und entwässern nach Süden hin. Im Oberlauf des Tales fand Bagnold 1938 Ablagerungen, die auf einen steinzeitlichen See hinweisen. Dem sich hier nach Regenfällen sammelnden Wasser war der Abfluß durch eine breite Düne versperrt.

Wadi al-Bakht

Ähnlich wie im Wadi ‘Ard al-’Akhdar wurde auch dieses Tal von Bagnold und dem Archäologen Meyers erforscht. Die Situation ist vergleichbar mit der im Wadi ‘Ard al-’Akhdar, denn auch hier versperrt eine breite Düne den Ausgang des in den Sandstein eingegrabenen Tales. Die beiden fanden zahlreiche Steinwerkzeuge, darunter Reibsteine, und Keramik. Dieses Tal wird seit einigen Jahren vom Kölner Institut für Afrikanistik unter der Leitung von Rudolf Kuper untersucht.

Eight Bells

Im Süden des Djilf gelegen, stellen diese acht Hügel aus dunklem Gestein eine wichtige Landmarke auf dem Weg zum Djabal ‘Uwaynat dar. Hier kreuzt der Weg die Piste gen Westen auf libysches Gebiet und gen Osten in Richtung ‘Abu Ballas.

Clayton Craters, Peter and Paul

Die vulkanischen Krater von Peter and Paul (deren Bezeichnung von Sir Robert Clayton stammt) stehen am Westende einer ganzen Gruppe erloschener Vulkane, die nach Ihrem Entdecker Clayton Craters heißen. Die größten unter ihnen erreichen einen Kraterranddurchmesser von 1000 Metern. Im Inneren der Krater wie auch in der umliegenden Hochebene fanden Almásy und andere von Menschenhand angelegte regelmäßige Steinkreise, deren Altersbestimmung unklar ist.

DJABAL ’UWAYNAT (DJABAL NARI)

liegt heute auf drei Staatsgebieten: denen Libyens, Sudans und Ägyptens, wobei Ägypten nur die nordöstliche Flanke zugehört. Sein heutiger Name stammt von ‘Ahmad Bay Hassanayn, der den Berg nach den kleinen Quellen (‘Uwaynat) an seinem Fuß benannte. Eigentlich jedoch heißt er Djabal Nari — Feuerberg.

Der ‘Uwaynat ist 1907 Meter hoch und ragt 1700 Meter über die Ebene empor. Als Hassanayn Bay eintraf, fand er den Berg von Tibu bewohnt. Die waren dorthin und ins Tibesti ausgewandert, nachdem die Zwayah und Mogharbah sie aus Kufrah vertrieben hatten. Außerdem lebten dort die Djuran — ein Nomadenvolk im nördlichen Sudan. Doch weil die periodischen Regenfälle über Jahre ausblieben, dezimierte sich Bevölkerung am ‘Uwaynat von ca. 150 Tibu und Djuran zu Zeiten Hassanayn Bays auf ca. 30 im Jahr 1926, als Kamal ad-Din dort war, und auf nur noch 3 im Jahr 1930, als Bagnold den ‘Uwaynat besuchte. Denn die Täler des Djabal an-Nari sind „Regenoasen“, deren Quellen nur nach periodischen Regenfällen Wasser führen.

Hassanayn Bay, Kamal ad-Din und Almásy fanden an den Flanken der Täler zahlreiche Felsbilder, die den Berg schlagartig unter europäischen Wissenschaftlern berühmt machten.

Karkur Talh

heißt das große nördliche Tal im ‘Uwaynat. Karkur ist eine nur am ‘Uwaynat vorkommende Bezeichnung für Tal, wohl vom arabischen Wort karr für „stetig wiederkehrend“ abstammend. Sein Talgrund ist dicht mit Talh-Akazien bedeckt und nach (früher offenbar regelmäßigeren) Regenfällen entwickelt sich hier rasch eine üppige Grasvegetation. 1933 entdeckte Almásy Unmengen von Felsmalereien — allesamt in Höhlen gelegen, die sich an der Nahtstelle zwischen wasserundurchlässigem vulkanischen Gestein und darüberliegendem nubischen Sandstein durch das hier austretende Wasser gebildet hatten.

Salimah Sand Sheet (Ramlat ‘Arba’in)

Um die einsame, heute sudanesische Oase Salimah herum erstreckt sich ein endlos scheinendes, teils topfebenes Sandgebiet, durch das die Karawanen auf dem Darb al-’Arba’in vom Sudan zum Nil zogen. Es bedeckt die immense Fläche von 40.000 km2.

AL-WAHAT (AL-WADI AL-DJADID; NEW VALLEY)

Die lange Jahrhunderte fast vergessenen Oasen sind seit einigen Jahrzehnten über eine Asphaltstraße zu erreichen. Bereits in den 50er Jahren gedachte die ägyptische Regierung, mit dem damals revolutionär anmutenden New Valley Project zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: einerseits der Überbesiedlung des Nilufers Herr zu werden und andererseits die landwirtschaftliche Produktion Ägyptens durch die Nutzung der immensen Grundwasservorkommen unterhalb der Oasen zu steigern. Doch wie meist hat auch diese Medaille eine Kehrseite. Denn die Zuzügler haben die althergebrachten Lebensweisen der Oasenbauern gründlich verändert, und der hohe Grundwasserspiegel sinkt durch die unmäßige Entnahme (besonders in Kharidjah) bedrohlich ab.

al-Wahat al-Bahriyah

Die nördliche der Ringoasen kam nie in den Genuß der New-Valley-Zuwendungen und „entwickelte“ sich deswegen langsamer als ihre Schwesteroasen. Doch wurde dort vor kurzem ein Friedhof entdeckt, in dessen Grabkammern bis zu 10.000 Mumien schlummern könnten. Die mit Blattgold überzogenen und farbenprächtig bemalten Mumien stammen aus dem 3. vor- bis 4. nachchristlichen Jh. Damit sind die kleine Oase und ihr Hauptort Bawiti umgehend in die Schlagzeilen geraten.

Ghurd ‘Abu Muharrik

Entlang einer ins Kalksteinplateau eingegrabenen Senke zieht sich der mit 350 km längste Dünenzug der libyschen Sahara von Bahriyah bis Kharidjah. Das Wort Muharrik kommt wohl von haraka, was Bewegung heißt, und in der Tat begräbt die Düne im Süden jährlich 10 weitere Meter unter sich.

al-Djarrah

„ ... am Nachmittag führte (Hadj Soliman) uns etwas abseits vom Wege zu einem offenen Loche zu ebener Erde, durch welches wir zu einer geräumigen Höhle hinabstiegen ... Wir fanden eine Tropfsteinhöhle mit so herrlichen 3 bis 4 Fuss von der Decke herabhängenden Stalactiten, wie man sie reiner und durchsichtiger nirgens antrifft. ... Wie räthselhaft waren diese aus Süsswasser-Durchsickerung entstandenen Hängesäulchen inmitten der wasserlosen Wüste.“ schreibt Rohlfs am 24.12.1873.

as-Sahra’ al-Baydah

In allen Reiseführern wird die „Weiße Wüste“ wegen ihrer durch Erosionen entstandenen Kalksteinformationen hoch gelobt — dementsprechend zahlreich schaukeln Touristen hier auf Kamelrücken oder in Geländewagen durch die Landschaft. Der Wüste tut das nicht gut. Die Reifen der Wagen reißen die dünne Oberflächenkruste auf, und die Touristenführer — meist Oasenbauern aus Bahriyah und Farafirah — reißen die spärliche Vegetation gnadenlos aus, um damit Feuer zu machen. Von höhergelegenen Plätzen bietet sich so ein oft herzerweichender Blick auf von Spuren zerfurchte Täler und traurige Stumpen einstiger Büsche.

al-Wahat al-Farafirah (Farafra)

Als Rohlfs 1873 die Oase besuchte, lebten etwa 320 Menschen von den Produkten der Oasengärten in kubischen Lehmhäusern, die sich um eine alte, inzwischen völlig verfallene Speicherburg — al-Qasr — gruppierten. Nur Olivenöl und Datteln wurden exportiert. Schon Rohlfs fiel auf, daß die Bauern dieser wie auch der anderen Oasen keine Kamele hielten, für den Abtransport der Güter also auf fremde Karawanen angewiesen waren. Im Zuge des New Valley Projects kamen auch nach Farafirah etliche Neuansiedler, die sich im Süden des Hauptortes niederließen und mit 15.000 Seelen die Einwohnerschaft Farafirahs (etwa 2000 Menschen) um ein Vielfaches übersteigen.

Bir ‘Abu Minqar

In der lange verlassenen südlichsten der zur Farafirahsenke gehörenden Oasen wurde erst vor wenigen Jahren im Zuge eines Landwirtschaftsprojektes ein neuer Brunnen angelegt.

Kharafish, Bab al-Jasmund, Bab al-Cailliaud

Der Weg der alten Karawanenroute von Farafirah nach Dakhilah führte nicht wie die neue Asphaltstraße in weitem, westlich ausschwenkendem Bogen, sondern in gerader Linie von der einen zur anderen Oase. Rohlfs beschreibt den längsten Teil der Strecke als monoton und langweilig, gerät aber nördlich der Munkhafad al-Dakhilah ins Schwärmen — nachzulesen in der Marginalspalte. Südlich des Bab al-Cailliaud führt der Naqb al-Dakhilah hinunter in die Senke.

al-Wahat al-Dakhilah (Dakhla)

Der ehemalige Hauptort al-Qasr und der heutige mit Namen Mut liegen beide unterhalb des in allen Pastelltönen schimmernden Steilabfalls, der die einwohnerreichste und sicher schönste der ägyptischen Oasen im Norden begleitet. Al-Qasr hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten, darunter die Ruinen des zwischen 54 und 138 n.Chr. erbauten Tempels Dayr al-Hadjar und die Nasr ad-Din-Moschee aus dem 11. Jh. Vom mit Bauhölzern gespickten Minarett schweift der Blick auf die umliegenden Häuser der Altstadt. Lohnenswert ist auch der Besuch der am alten Dorfrand gelegenen Töpferei.

Da in Dakhilah derzeit im Rahmen des „Dakhleh Oasis Project“ zahllose Archäologen werkeln, ist noch einiges an Neuentdeckungen zu erwarten.

al-Wahat al-Kharidjah (Kharga)

So, wie in Dakhilah die Karawanen nach ihrem langen Marsch durch die Libysche Wüste eintrafen, war auch Kharidjah wichtiger Anlaufpunkt der Karawanen. Doch kamen die aus dem Sudan über den Darb al-’Arba’in. Wen wundert’s, daß die Herren am Nil hier früh Präsenz zeigten und mit dem Hibis-Tempel, der römerzeitlichen Siedlung Dush und der frühchristlichen Nekropole al-Bagavat etliche Zeugnisse hinterließen. Der Hauptort Kharidjah ist — zum Zentrum des New Valley Projects bestimmt — inzwischen von Neusiedlungen umstellt und hat deswegen viel vom einstigen Charme verloren.

AN-NIL, AN-NAHR, AL-KHALED, AL-BAHR

Mit dem Fluß aus dem Inneren Afrikas kam durch die Jahrtausende nicht nur fruchtbarer Schlamm, sondern auf ihm wurden auch die kostbaren Rohstoffe (Gold, Edelsteine, Kupfer, Harthölzer, Straußenfedern, Elfenbein) transportiert, mit denen sich die Pharaonen protzige Denkmäler setzten. Bereits während der 1. Dyn. unternahmen sie Raubzüge bis zum 1. Katarakt oberhalb Aswans. Nach einer Atempause während des Mittleren Reiches griffen sie zu Zeiten des Neuen Reiches bis zum 5. Katarakt aus; die Kolosse von ‘Abu Simbel blickten nun in nubische Kolonien. Die Konflikte der Ägypter mit dem südlichen Nachbarn setzen sich bis in die Gegenwart fort, und bis heute werden auch Waren auf dem Rücken des Nil verschifft.

Die Lebensader des Sudan und Ägyptens hat viele poetische Namen, die den Nil sogar mit dem Meer (al-Bahr) gleichsetzen.

Darb al-’Arba’in

Auf der Strecke des berühmt-berüchtigten Darb al-’Arba’in, dem Weg der Vierzig Tage, haben Tausende von Menschen und Kamelen ihr Leben lassen müssen. Sie nahm ihren Anfang in al-Fashr und führte über die Oase Salimah nach Kharidjah. Bei Asyut erreichte sie schließlich den Nil. Der Darb ist gepflastert mit den Skeletten derjenigen, die den strapaziösen Marsch nicht überlebten.

Asyut (Assiut)

Schon im Mittelalter hatte die Stadt als Endpunkt des Darb al-’Arba’in einen eher zweifelhaften Ruf. Hier wurden einst die Sklaven und werden noch immer die für die Schlachthöfe al-Qahirahs bestimmten Kamele verhandelt. Dieser Ruf ist in den letzten Jahren noch schlechter geworden, denn inzwischen hat sich die drittgrößte Stadt des Landes zu einer Hochburg der Islamisten entwickelt.

al-’Uqsur (Luxor, Theben, Waset)

Die altägyptische Hauptstadt Waset wurde von den Griechen schlicht in Theben umbenannt. Selbst eilige Besucher benötigen mindestens anderthalb Tage für die zahllosen Denkmäler an beiden Ufern des Nil. Und je mehr der Anschlag in Theben-West (das war im November 1997) in der Erinnerung der Reisewilligen verblaßt — es erinnert noch nicht einmal eine Gedenktafel an die zahlreichen Toten —, desto zahlreicher strömen die Touristen. Entsprechend sinnlos ist es, hier nach einem ruhigen Plätzchen zu fahnden. Luxor gehört ins absolute Standardprogramm aller Nilreisenden, und die ägyptische Regierung hat entsprechende Sicherheitsmaßnahmen getroffen.

‘Isna (Esna)

Mitten in der Kleinstadt ‘Isna liegt die Vorhalle eines Tempels der 18. Dynastie, der von Ptolemäern und Römern gründlich umgebaut wurde. Lohnend auch der kleine, überdachte Suq nahe dem Tempel.

‘Idfu (Edfu)

Vom gleißenden Licht des Hofes gelangt der Besucher ins geheimnisvolle Dunkel des Allerheiligsten im Horustempel. Bilderreich wird an den Umfassungsmauern der Kampf des falkenköpfigen Horus gegen den bösen Seth geschildert.

Djabal Silsilah

Wer die schönen Bauwerke am Nil gebührend bewundert hat, sollte einen Abstecher zu den pharaonischen Steinbrüchen am Djabal Silsilah unternehmen. Bis zu 3000 Arbeiter schufteten hier in teils mörderischer Hitze für die Repräsentationswut der Nilherren.

Kum ‘Umbu (Kom Ombo)

Die beiden Hälften des Tempels von Kum ‘Umbu waren dem krokodilsköpfigen Sobek und dem falkenköpfigen Haroeris geweiht — und echte, wenn auch lange verstorbene Krokodile gibts ein paar Meter weiter im Hathor-Tempel zu bewundern.

Daraw

Trotz der Touristenmassen bleibt der Kamelmarkt von Daraw, auf dem ausschließlich sudanesische Tiere verschachert werden, einer der interessantesten Märkte Ägyptens. Der Montag ist den Hengsten, der Dienstag den Stuten vorbehalten.

‘Aswan (Assuan)

So ungezählt wie die Tempel Luxors waren die des alten ‘Aswan. Doch sind mit dem Bau des Sadd al-’Ali viele von ihnen in den Fluten des Nil versunken. Einige wurden gerettet — darunter Philae, Kalabsha und ‘Abu Simbel. Außer den obligatorischen Tempelbesuchen lohnen ein Bummel durch die lebendige Altstadt und der Weg auf die Terrasse des Old Cataract Hotels zum standesgemäßen five-o’clock-tea.

‘Abu Simbel & Sadd al-’Ali (Assuan-Stausee)

Im Grenzgebiet zum Sudan am militärisch sensiblen Sadd al-’Ali gelegen, ist ‘Abu Simbel nur im Konvoi oder per Flieger zu erreichen. Der Konvoi verläßt ‘Aswan in aller Herrgottsfrühe, für die Besichtigung der vom Nilufer hierhin verfrachteten Tempelanlage sind etwa zwei Stunden vorgesehen.

AS-SAHRA’ ASH-SHARQIYAH

In der landschaftlich ausgesprochen reizvollen Östlichen Wüste liegen, angefangen von neolithischen Siedlungsplätzen über die alten Bergwerke der Pharaonen bis hin zu römischen Ruinen und christlichen Klöstern, viele Sehenswürdigkeiten. Doch ist das Gebiet abseits der Verbindungswege vom Nil hinunter bis ans Rote Meer für Touristen gesperrt.

 

n.b. Das Copyright für diesen Text aus dem Jahr 2000 liegt bei NOMAD. Reisen zu den Menschen. AutorInnen sind Julietta Baums und Lorenz Töpperwien. Wir freuen uns, dass der Text großen Anklang besonders auch bei unseren MitbewerberInnen findet und von diesen in leicht abgewandelter Form auf deren Websites übernommen wurde.

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