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Länderkarte Iraq


[Der hier publizierte Text stammt aus dem Jahr 2000 und muss fortgeschrieben werden.}


Über der üppigen Bühne des Zweistromlandes zwischen Euphrat und Tigris im heutigen Iraq hebt sich der Vorhang zur frühen Menschheits- und Zivilisationsgeschichte. Aus dem Dunkel der Kulissen treten zuerst die Sumerer hervor, gefolgt von Akkadern, Amoritern, Kassiten, Assyrern, Griechen, Parthern und Sassaniden. Der Islam bringt neue blühende Dynastien hervor. Um 800 baut der Abbasidenkalif Harun ar-Rashid die noch junge Hauptstadt Baghdad im Herzen Mesopotamiens zum schillernden Zentrum der islamischen Welt aus. Erst die Mongolenstürme des 13. Jahrhunderts markieren den Beginn eines stetigen Niedergangs, der 1534 in die ebenso lange wie lähmende Fremdherrschaft der Osmanen mündet.

Anfang des 20. Jahrhunderts ruft das kollabierende Osmanenreich die Briten auf den Plan, die vor allem um ihre Ölinteressen fürchten. Durch eine geschickte Politik, die dem französischen Vorgehen in Syrien entspricht, erlangen sie nach dem 1. Weltkrieg die Mandatshoheit über Iraq. Unter dem eben erst von Frankreich fallengelassenen Marionettenkönig Faysal ibn Hussayn etablieren sie ein System, das ihnen trotz wiederholter Unruhen auch nach der offiziellen Unabhängigkeitserklärung Iraqs 1932 und sogar über den 2. Weltkrieg hinaus die Möglichkeit massiver politischer Einflußnahme sichert.


Mit dem Sturz der Monarchie 1958 und einer Reihe darauffolgender Militärputsche beginnt der Aufstieg der Bath-Partei zur Alleinherrschaft in der Republik Iraq. Striktes Oppositionsverbot und Gleichschaltung der Medien kennzeichnen den politischen Alltag. Im Umgang mit ethnischen Minderheiten, insbesondere in der Frage der jahrzehntealten Autonomieforderungen der Kurden, geht Bath wiederholt den Weg militärischer Gewalt. Die traditionelle Diskriminierung der knappen schiitischen Bevölkerungsmehrheit setzt sich unter den neuen Machthabern fort: Die meisten Regierungsposten bleiben den Sunniten vorbehalten. Wirtschaftlich erlebt Iraq in den 70er Jahren einen deutlichen Schub: Die Modernisierung der heimischen Industrie hebt das Einkommen breiter Bevölkerungsschichten und verbessert deren Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.


1979 übernimmt Saddam Hussayn das Präsidentenamt. Nur ein Jahr später steht das Land im Krieg mit Iran. Offiziell gelten Grenzstreitigkeiten als Auslöser. Die eigentliche Ursache liegt jedoch in der schiitisch-islamischen Revolution, die 1979 Iran erfaßt und aus iraqischer Sicht das labile Gleichgewicht zwischen Schiiten und Sunniten im eigenen Land gefährdet. In acht Jahren fordert der blutige Konflikt über eine Million Tote und macht alle wirtschaftlichen Fortschritte zunichte.


Davon unbeeindruckt annektiert Saddam Hussayn 1990 das benachbarte Ölshaykhtum Kuwayt, auf das Iraq historische Ansprüche erhebt. Kein halbes Jahr danach erzwingt eine von den UN autorisierte internationale Truppenallianz unter US-amerikanischer Führung gewaltsam den Rückzug der iraqischen Truppen. In der Folge sollen scharfe Wirtschaftssanktionen und die planmäßige Vernichtung der vermuteten iraqischen Waffenarsenale durch ein internationales Expertenteam den Diktator endgültig demontieren. Doch die Strafmaßnahmen treffen in erster Linie den Lebensnerv der Bevölkerung: Trotz nachträglicher Lockerung der Sanktionen („Oil-for-Food”) sterben laut UNICEF-Angaben zwischen 1990 und 2000 eine halbe Million Kleinkinder an Unterernährung. Währenddessen inszeniert Saddam Hussayn mit den Waffeninspektoren ein makabres Katz-und-Maus-Spiel. Erfolgreich provoziert er Washington und London 1998 zu einem zweiten, diesmal völkerrechtlich nicht abgesicherten Militärschlag, der nicht nur seine strategische Wirkung verfehlt, sondern auch die Hilflosigkeit der internationalen Politik entlarvt und
die Agonie der iraqischen Bevölkerung verlängert.


Nach langer Isolation öffnet sich Iraq nun wieder Reisenden und bietet damit Gelegenheit, das von der politischen Entwicklung der vergangenen 20 Jahre gezeichnete Bild an der Realität zu überprüfen.

 

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