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Länderkarte Sinai

Asien oder Afrika? Scharnier oder Barriere? Strategisches Grenzgebiet oder Landschaft mit eigenständiger Natur- und Kulturgeschichte? Kein Zweifel: Seine einzigartige geografische Position beschert dem Sinai seit jeher etwas Unstetes, Undefinierbares. Offiziell wird er zu Asien gerechnet, gehörte aber politisch die meiste Zeit zu Ägypten. Er hat eine Küste zum Mittelmeer und zeigt zugleich mit seiner Spitze energisch ins Rote Meer. Statt jedoch die beiden Gewässer durch eine Handelsstraße miteinander zu verknüpfen, stellte er bis zur Eröffnung des Suezkanals 1869 für den internationalen Warenaustausch eine unüberwindliche Barriere dar. Zugleich vereint er als Brücke zwischen zwei Kontinenten die Funktion einer klassischen Übergangsregion mit einem unverwechselbaren topografischen, geologischen und historischen Profil.


Wie sehr die gewaltige Halbinsel das Denken der Menschen beschäftigt, zeigt sich insbesondere daran, dass alle drei monotheistischen Weltreligionen wesentliche Elemente ihrer geschichtlichen Überlieferung gerade hier ansiedeln. So ist der Sinai wichtigster Schauplatz der epischen Erzählung vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Darin tritt ein Gott in Erscheinung, der mal als grausamer Richter, mal als fürsorglicher und vergebender Vater agiert. Sein Werkzeug ist Moses, den die bildgewaltigen Künstler der Renaissance erstmals zu jenem patriarchalischen Urpropheten stilisieren, als der er bis heute gilt. Die seither gängigen Darstellungschiffren – wilder Bartwuchs und entschlossener Blick – bringen neben Moses’ Tatkraft nicht zuletzt seinen verwegenen Auftrag zum Ausdruck, der darin bestand, ein ganzes Volk aus den Fängen des scheinbar allmächtigen Pharao zu befreien und durch die unwirtliche Wüstenei des Sinai ins gelobte Land zu führen.


Thomas Mann stattet diesen Moses in seiner Erzählung „Das Gesetz“ von 1943 mit z. T. sehr menschlichen Zügen aus und schildert ihn als einen Mann, der sich aufgrund seiner zweifelhaften Herkunft als Findelkind erst einmal den nötigen Respekt verschaffen muss. Auch unterwegs hält er kraft seiner gottgegebenen Autorität die renitenten Volksgenossen nur mit großer Anstrengung bei der Stange, wenn denen z. B. das legendäre Manna als immer gleiche Mahlzeit zum Hals heraushängt oder sie sich, sobald er ihnen den Rücken zukehrt, gleich um
ein goldenes Götzenkalb scharen.


Moses übernimmt dabei ganz ähnliche Funktionen, wie sie ein Beduinen-Sheikh ausübt bzw. delegiert. Der vertritt als Repräsentant seines Stammes dessen Interessen gegenüber Dritten, fühlt sich verantwortlich für das allgemeine Wohlergehen und tritt im Falle von internen Konflikten als Schlichter auf. Allerdings bezieht ein Sheikh seine Autorität vor allem aus dem Rückhalt einer einflussreichen Familie – eine Voraussetzung, die Moses fehlt und die erst seine prophetischen Gaben kompensieren.

Heute teilen sich insgesamt acht Beduinenstämme das Gebiet des Sinai. Jeder von ihnen zeichnet sich durch eine eigene Herkunftsgeschichte und besondere Traditionen aus. Bis in die jüngste Vergangenheit haben die Stämme erleben müssen, wie widerstreitende Besitzansprüche ihren Lebensraum ins Zentrum bewaffneter Auseinandersetzungen gerückt haben. Zuletzt war dies im so genannten Sechstagekrieg von 1967 der Fall, in dem Israel die Halbinsel besetzte. Den modernen Konfliktparteien geht es längst nicht mehr um die wirtschaftliche Bedeutung, wie sie etwa im Altertum eine Rolle spielte, als die Ägypter hier bedeutende Türkislagerstätten ausbeuteten und zudem diverse Kupfer- und Goldminen betrieben. Stattdessen stehen strategische bzw. geopolitische Überlegungen im Vordergrund. Die Kontrolle des Suezkanals gehört ebenso dazu wie die Schlüsselstellung des Sinai für das Kräfteverhältnis im Nahen Osten.


Das bedeutet zugleich, dass der Halbinsel eine wichtige Brückenfunktion zukommt. Die geht weit über die rein geografische Lage als Bindeglied zwischen zwei Kontinenten hinaus. Bestes Beispiel dafür ist das griechisch-orthodoxe Katharinenkloster gleich unterhalb des 2285 Meter hohen Bergs Sinai. Der festungsartige Bau liegt mitten im Siedlungsgebiet der Jebaliya-Beduinen. Das ist kein Zufall, geht doch dieser Beduinenstamm ursprünglich auf osteuropäische Christen zurück, die im 6. Jahrhundert angeworben wurden, um bei der Errichtung des Klosters mit Hand anzulegen. Ihre Nachfahren arbeiten bis heute für die hier lebenden Mönche, auch wenn sich die Jebaliya längst mit den Nachbarstämmen vermischt haben und zum Islam übergetreten sind.


Eine für die Region immer wichtigere Erwerbsquelle stellt im Übrigen der Tourismus dar, der allerdings bisher mit Flaggschiffen wie Sharm al-Sheikh überwiegend auf den Massenmarkt ausgerichtet war. Dagegen setzt die EU mit dem 2006 aufgelegten und insgesamt fünfjährigen Entwicklungsprogramm South Sinai Regional Development Programme (SSRDP) ganz auf die Verwirklichung nachhaltiger Strukturen. Eines der daraus hervorgegangenen Projekte ist Sheikh Sina, eine von Beduinen geführte Reiseagentur, die sich auf Trekkings in der Gebirgsregion des südlichen Sinai spezialisiert hat. Sheikh Sina ist Partneragentur von NOMAD und steht mit ihrem Anspruch, die Existenzgrundlage der einheimischen Bevölkerung zu verbessern, für eine neue und viel versprechende Qualität des Sinai-Tourismus.



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