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 „Gewalt und Intoleranz entsprechen nicht dem Wesen des Islam.“

Der das sagt, genießt nicht nur im eigenen Land hohes Ansehen: Sultan Qabus bin Said bin Taimur Al Said, seit 1970 Alleinherrscher in Oman. Ungeachtet der schweren Konflikte in der Region unterhält er beste Beziehungen sowohl zur arabischen Welt als auch in den Westen. Seine kluge Außenpolitik des Spannungsabbaus und der Friedenssicherung macht ihn zu einer verlässlichen Größe – dies umso mehr, als sich der vormals hermetisch verschlossene Oman unter der Ägide des amtierenden Herrschers zu einer weltoffenen und dynamischen Gesellschaft entwickelt hat.

Dennoch ist die Behauptung, Sultan Qabus sei Oman und umgekehrt, nur zum Teil stichhaltig. Richtig ist, dass maßgeblich er es war, der die Qualitäten des Landes und seiner Menschen erkannte und gezielt förderte. Das heißt zugleich: Er hat Vorhandenes freigelegt. Sein besonderes Verdienst – und nebenbei auch das Geheimnis seines Erfolgs – liegt darin, dass er die kulturellen Wurzeln Omans nicht auf dem Altar des Fortschritts opferte, sondern sie zum Fundament einer allumfassenden Modernisierung machte.

Diese Modernisierung ist keineswegs immer behutsam vonstatten gegangen – vielleicht eine Folge zu vieler einsamer Entscheidungen. Denn de facto regiert Sultan Qabus mit uneingeschränkter Macht. Sicher ist: Oman ist kein Märchen aus 1001 Nacht und widersetzt sich damit häufig westlichen Projektionen. Den unvoreingenommenen Betrachter muss gerade das zuversichtlich stimmen. Der nachfolgende Überblick zeigt ein Land der Aufbrüche und legt den Schwerpunkt auf gegenwärtige Entwicklungen.

Seefahrervolk

Oman blickt auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück. Bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. belieferten Schiffe aus dem damaligen Magan die Hochkulturen Mesopotamiens und des Indusbeckens mit wertvollem Kupfer. Das teuerste Luxusgut der Antike war Weihrauch aus Südoman – er wurde von Griechen und Römern mit Gold aufgewogen. Noch heute ist er im Alltag Omans allgegenwärtig.

Zentren der Besiedlung in Inneroman sind seit jeher die Oasen. Das Wissen darüber hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Maßgeblichen Anteil daran hat ein 1999 begonnenes interdisziplinäres Forschungsprojekt des Deutschen Archäologischen Instituts. Es befasst sich mit der Entstehung und Entwicklung der omanischen Oasensiedlungen vor dem Hintergrund des aktuellen ökonomischen und kulturellen Wandels. Dabei wurden Siedlungsplätze, Wehrtürme und Gräber entdeckt, die vom Neolithikum bis in die heutige Zeit datiert werden können.

Der Jahrtausende alte Kontakt zu fremden Kulturen spiegelt sich bis heute in den Gesichtern und Gebräuchen der Omanis. Omanische Frauen hüllen sich gerne in prächtige parfümierte Stoffe aus Afrika oder Indien. An Festtagen räuchern die Männer ihre Bärte mit Weihrauch und legen ihren Krummdolch an, den khanjar. Ihre bodenlangen Gewänder, die dishdashas, ziert eine Quaste am Kragen, die ebenfalls mit edlen Essenzen getränkt wird. Das Tuch für den Turban, den ammama oder massar, wird in Kaschmir eigens für diesen Zweck gewoben. Die Alltagskopfbedeckung ist die kumma, eine reich mit Ornamenten verzierte Kappe, die ihren Ursprung in Ostafrika hat.

Viele Familien lebten über Generationen hinweg in den alten Handelsniederlassungen in Ostafrika und Belutschistan, sprechen noch heute Suaheli und Urdu. Umgekehrt haben sich Belutschen, Perser und Inder in Oman niedergelassen. Jüngeren Datums ist die Zahl der in Oman lebenden Wirtschaftsmigranten. Etwa ein Viertel der rund 2,5 Mio. Einwohner des Landes sind Ausländer, vorwiegend vom indischen Subkontinent. Deren Anteil ist damit zwar deutlich geringer als in einigen anderen Golfstaaten, Gastarbeiter übernehmen aber auch in Oman ca. 80% der sozialversicherten Arbeitsplätze. Dies ist Anlass für die derzeit forcierte Politik einer Omanisierung des Arbeitsmarktes (s.u.).

Wandel

Sultan Said bin Tamur, der Vater von Sultan Qabus, war den Worten eines britischen Kommentators zufolge „ein Erzkonservativer mit großem persönlichem Charme“. Seit er 1932 die Macht übernahm, tat er alles, um sein Land vom Rest der Welt abzuschirmen. So beanspruchte er das Recht, alle Visa persönlich auszustellen, und verfuhr dabei äußerst restriktiv.

Die wohlhabenden Kaufmannsdynastien der Hauptstadt Masqat machte er sich gefügig, indem er ihnen lukrative Handelsmonopole gewährte und sie zugleich zu politischer Enthaltsamkeit verpflichtete. Darüber hinaus verfügte er ein striktes Importverbot für alle Waren, die den seiner Ansicht nach verderbten Geruch des Fortschritts und des Westens trugen. Ganz oben auf der Schwarzen Liste standen Konsumgüter wie Radios, Bücher und Sonnenbrillen. Die Bevölkerung, mehrheitlich Bauern und Fischer wie Jahrtausende zuvor, war eingebunden in traditionelle Stammesstrukturen. Die wenigen Schulen, die es im Lande gab, standen allein Jungen offen. Die Organisation des Gemeinschaftslebens oblag den Stammesführern und religiösen Autoritäten.

Ganz andere Möglichkeiten räumte der Autokrat seinem Sohn und späteren Nachfolger ein. Der genoss seit seinem 16. Lebensjahr beste britische Erziehung. Als Absolvent der elitären königlichen Militärakademie in Sandhurst diente er u.a. ein Jahr lang in Deutschland als Offizier eines britischen Infanterie-Bataillons. Später studierte er – ebenfalls in England – kommunales Verwaltungswesen. 1964 kehrte er nach Oman zurück, wurde aber von Sultan Said bin Tamur planmäßig von den Regierungsgeschäften ausgeschlossen.

Am 23. Juli 1970 putschte sich Qabus mit britischer Unterstützung an die Macht und schickte seinen Vater ins Exil nach England. Seither erlebt Oman einen rasanten Wandel, der bis dato nicht an Dynamik verloren hat. Zwar brauchte der frischgebackene Sultan mehrere Jahre, bis er die zuvor häufig wütenden Stammesfehden beigelegt hatte und auch den Konflikt mit der von Südjemen unterstützten sozialistischen Guerilla in Dhufar zu einem friedlichen Ende brachte. Doch schon während dieser z.T. turbulenten Anfangsphase der Herrschaftssicherung leitete er eine umfangreiche Modernisierung und Öffnung des Landes ein.

Heute reist Sultan Qabus einmal im Jahr mit großem Gefolge durch Oman und hält Sprechstunde mit seinem Volk. Das gibt ihm Gelegenheit, sich als Landesvater persönlich über den Stand der Dinge zu informieren. Über diesen paternalistischen Regierungsstil mögen westliche Politiker die Nase rümpfen. Nicht selten dürfte dabei aber der Neid eine Rolle spielen.

Denn der Sultan hat viel erreicht. Das lässt sich nicht zuletzt an den Schulen, Krankenstationen und Straßen ablesen, die mittlerweile auch die entferntesten Oasendörfer mit einbeziehen. Laut Angaben der World Health Organization (WHO) betrugen die Gesundheitsausgaben im Jahr 2002 pro Kopf 379 US-Dollar, das entspricht 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit liegt Oman zwar im Vergleich zu anderen arabischen bzw. islamischen Staaten zwar nur im unteren Mittelfeld. Entscheidend sind jedoch die Ergebnisse und die Nachhaltigkeit des Engagements im Gesundheitswesen.

Der hohe Gesundheitsstandard und die stark gesunkene Kindersterblichkeit haben das jährliche Bevölkerungswachstum auf nahezu 4 Prozent steigen lassen. Die Lebenserwartung erhöhte sich innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte von durchschnittlich 49 auf 71 Jahre . Derzeit zählt Oman laut Angaben der Bundesagentur für Außenwirtschaft rund 2,5 Millionen Einwohner, mehr als die Hälfte davon hat das 16. Lebensjahr noch nicht erreicht.

Das schafft zunehmende Probleme auf dem Arbeitsmarkt, der bei einer auf 15 Prozent geschätzten Arbeitslosenquote jährlich über 30.000 Schul- und Universitätsabsolventen zu verkraften hat. Um deren Beschäftigung sicherzustellen, hat die Regierung bereits in den 1990er Jahren eine so genannte Politik der Omanisierung eingeleitet. Sie soll – per Gesetz bzw. durch geeignete Bildungsangebote und wirtschaftliche Anreize – der prozentuale Anteil der Gastarbeiter am BIP mittelfristig gesenkt werden.

Die Omanisierung sieht die Reservierung bestimmter Berufe für omanische Staatsangehörige und den Ausbau der Berufsbildung in unterrepräsentierten Berufszweigen vor. So ist z.B. in den Bereichen Industrie, Handel oder Dienstleistungen ein bestimmter Prozentsatz an Arbeitsplätzen für Omanis gesetzlich vorgeschrieben.

Ergänzend dazu sollen die Anstrengungen im Weiterbildungssegment forciert werden. Die angestrebte wirtschaftliche Diversifizierung (s.u.) und der damit verbundene Aufbau eines modernen Staates bedingen eine höhere Zahl an qualifiziertem Fachpersonal. Bei absehbar sinkenden Erdöleinnahmen müssen Fachkräfte in anderen bestehenden und neuen Wirtschaftszweigen ausgebildet werden. So belaufen sich die Haushaltszuweisungen für den Bildungssektor auf über 14% des Bruttoinlandsprodukts, wobei ein erheblicher Teil für Weiterbildung bestimmt ist (Quelle: Bundesagentur für Außenwirtschaft).

Die Bildungsoffensive kommt v.a. den Frauen zugute. Der Andrang weiblicher Studierender führte an der Sultan Qabus Universität in Masqat sogar zur Einführung einer Männerquote. In einem der seltenen Interviews mit dem Sultan, das im Januar 2006 veröffentlicht wurde, begrüßte es der Befragte ausdrücklich, wenn Eltern ihren Töchtern eine Ausbildung zukommen ließen. Allerdings fügte er gleich hinzu, dass jene, die in ihrer Erziehung die traditionelle Rolle der Frau befürworteten, frei wären, dies zu tun.

Betont konservativ gibt sich Sultan Qabus bislang in Fragen der Demokratisierung und bürgerlichen Mitbestimmung. Der Monarch ist zugleich Staatsoberhaupt sowie Premier-, Verteidigungs-, Finanz- und Außenminister. Politische Parteien und Gewerkschaften gibt es nicht. Seit 1991 besteht die Madschlis al-Schura, eine beratende Versammlung, deren 83 Mitglieder auf lokaler Ebene gewählt werden. 1997 entstand zusätzlich ein Staatsrat (Madschlis al-Daula), der jedoch ebenfalls nur beratende Funktion hat. Das Kabinett aus gegenwärtig 26 Mitgliedern wird vom Sultan eingesetzt. Die Minister, zu denen auch drei Frauen gehören, haben lediglich eingeschränkte Weisungsbefugnisse.

Wirtschaft

(Der folgende Abschnitt ist ein Auszug aus dem Bericht „Wirtschaftstrends kompakt“ der Bundesagentur für Außenwirtschaft vom Februar 2006)

Die Wirtschaftspolitik des Sultanats Oman steht seit dem Einbruch der Ölpreise 1998/99 ganz im Zeichen ökonomischer Diversifizierung. Das schließt umfangreiche Investitionen in Industrieanlagen und Infrastruktureinrichtungen ebenso ein wie etwa die Erweiterung der Hafenkapazitäten in Salallah und Sohar sowie den Bau gleich mehrerer großer Tourismuszentren.

Wirtschaftliche Diversifizierung ist für Oman wichtiger als für andere Golfstaaten wie Qatar oder Kuwait, da das Sultanat nur über vergleichsweise geringe Erdölreserven von 5,6 Mrd. Barrel verfügt. Rechnerisch ermöglichen diese eine Förderung auf dem derzeitigen Niveau noch für weitere 20 Jahre. 2005 betrug die Erdölförderung etwa 770.000 barrel per day (bpd) und lag damit deutlich unter den noch in den Jahren 1999 bis 2002 erzielten Werten von rund 900.000 bpd.

Große Hoffnungen setzt das Land auf die Nutzung der Erdgasreserven. Im Jahr 2004 förderte Oman rund 24 Mrd. Kubikmeter Gas. Für den Export wurden in den zwei Anlagen in Qalhat im Osten des Landes zusammen ca. 6,6 Mrd. Kubikmeter zu LNG (Liquefied Natural Gas) verflüssigt. Eine dritte Verflüssigungsanlage soll 2006 in Betrieb gehen. Langfristige Abnahmeverträge bestehen mit Korea, Japan und Indien.

Erdgas ist darüber hinaus die Basis für den Aufbau einer petrochemischen Industrie. Im April 2005 verließ die erste Ladung Ammoniak den Hafen Sur in Richtung Indien. Schwerpunkt der Industrieansiedlung ist die nordomanische Hafenstadt Sohar. Dort entstehen derzeit auch die erste Aluminiumhütte des Landes sowie ein Stahlwerk.

Tourismus

Parallel zu Diversifizierung und Ausbau der Industriekapazitäten investiert Oman hohe Summen in den touristischen Sektor. Hier liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem Luxustourismus. Der erfolgreichen Eröffnung des Resorts Barr Al-Jissah 2005 folgen in den kommenden Jahren weitere milliardenschwere Vorhaben in diesem Bereich.

Rang eins nimmt ohne Zweifel das Projekt ''Al-Madina Az-Zarqa – The Blue City'' ein. Ort des Geschehens ist ein Küstenstreifen zwischen Masqat und Barqa, rund 25 Autominuten vom Seeb International Airport. Der Vertrag über die erste von zehn Bauphasen wurde am 4. Januar 2006 in der Hauptstadt unterzeichnet. Insgesamt wird die Errichtung der Blauen Stadt, des größten jemals im Land realisierten Baukomplexes, rund 15 Jahre in Anspruch nehmen und Kosten in Höhe von etwa 20 Milliarden US-Dollar verschlingen. Die Summe liegt nur unwesentlich unter dem in 2004 erwirtschafteten BIP von 24,8 Milliarden US-Dollar. Nach Fertigstellung wird sich die Retortenstadt über 34 Quadratkilometer erstrecken. Sie soll geschätzten 200.000 ständigen Einwohnern Wohnung und Arbeit bieten und bei voller Auslastung jährlich 2 Millionen Touristen empfangen.

Angesichts solcher Pläne und Investitionsvolumen ist die Nachricht von einem rund 1,7 Milliarden großen Loch im aktuellen omanischen Haushalt keine Überraschung. Die extrem breit gestreuten Infrastrukturprogramme reizen die finanziellen Möglichkeiten Omans bewusst aus. Angesichts dessen richtet sich die Hoffnung der Verantwortlichen mehr denn je auf die derzeit hohen Einnahmen aus dem Erdölexport.

Wir NomadInnen dagegen hoffen, dass es den Omanis ungeachtet aller Großprojekte gelingen wird, ihre Traditionen und die natürliche Vielfalt ihres Landes auch weiterhin zu bewahren. Dann nämlich überlassen wir die Luxustouristen liebend gern ihrer Hotelresort-Folklore und bleiben auf unseren Reisen zu den Menschen unter uns.

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