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„Auf zum Kampf gegen dieses unbekümmerte Volk! Einsam lebt es für sich und hat darum keine Städte, deren Tore man verriegeln kann. Holt Euch ihre Kamele, holt euch ihre riesigen Herden!“ (Jer. 49, 31f). Seit jeher ist Jordaniens Geschichte durch den Kontrast zweier aufeinandertreffender Welten bestimmt: jener der Seßhaften in den fruchtbaren Landstrichen am Jordan und jener der in den Weiten der Wüste umherstreifenden Badu, die ihrerseits oft genug raubend und plündernd in die Ackerbaulandschaften einfallen.

Allein den Nabatäern — einem Wüstenvolk — gelingt es zwischenzeitlich, eine Einheit zu schaffen: Sie treiben einen florierenden Handel mit Luxusgütern aus Ländern an den Gestaden des Indischen Ozeans, die sie durch die arabischen Wüsten ans Mittelmeer transportieren. Damit sichern sie Nomaden und Bauern gleichermaßen den Lebensunterhalt. Als die Römer herausfinden, wie man diese Handelswege umgeht, fällt das nabatäische Reich in sich zusammen, der alte Gegensatz bricht erneut auf. Für das römische Weltreich wie für Ptolemäer und Seleukiden, Mamelucken und Osmanen bleibt das Land bloßes Randgebiet — eine Pufferzone, die es zu befestigen gilt, um sich der Angriffe der Badu zu erwehren. So spielt Jordanien bis heute auf der Weltbühne weniger als Zentrum geistiger Künste denn als Kriegsschauplatz eine Rolle.

Erst dem 1999 verstorbenen König Hussayn ibn Talal gelingt es, das Land innenpolitisch zu stabilisieren und den äußeren Frieden zu sichern. Sein Großvater, der Hashimi ‘Abdallah, hatte das in viele Shaykhtümer und quasi unabhängige Städte zerfallene Transjordanien 1923 als ‘Imarat (Emirat) von britischen Gnaden zugesprochen bekommen. Mit Hilfe der vom Briten Glubb Pasha ins Leben gerufenen Wüstenpatrouille der Arabischen Legion gelingt ihm die Befriedung der Badu. Als er 1951 ermordet wird, hinterläßt er seinem Enkel immerhin einen unabhängigen Staat.

Doch im Land treffen noch andere Interessen aufeinander: Über eine halbe Million geflohene Palästinenser aus israelisch besetzten Gebieten fordern ein entschlossenes Vorgehen gegen den neugegründeten Staat Israel. Die Panarabisten ihrerseits wollen eine endgültige Loslösung vom Westen — den einstigen Kolonialmächten — und einen Schulterschluß mit den arabischen Nachbarn. Schließlich fordern die Bürgerlichen politische Freiheiten.

Das erste Jahrzehnt der Regierung Hussayns kennzeichnen harte Sicherheitsmaßnahmen gegen wiederholte Putschversuche, flankiert von einer vorsichtig lavierenden Innen- und Außenpolitik . Die im Lande verbliebenen britischen Militärbefehlshaber werden durch eigene Leute ersetzt, 1956 und 1961 finden relativ freie Wahlen statt. Die Palästinenserfrage bleibt ungelöst. Der 1967 von Ägypten provozierte 6-Tage-Krieg endet mit der Besetzung der Westbank durch Israel. Jordanien verliert damit 40% seines Bruttosozialproduktes und muß gleichzeitig weitere 350 000 palästinensische Flüchtlinge aufnehmen. Vor diesem Hintergrund führen die immer unverhohlener geäußerten Machtansprüche der Palästinenser zu schweren Spannungen im Land, die im „Schwarzen September“ 1970 quasi in einen Bürgerkrieg münden. Die dem König loyal ergebene Armee gewinnt knapp die Oberhand, die PLO-Führer werden des Landes verwiesen. Der wirtschaftliche Aufschwung der folgenden beiden Jahrzehnte — bedingt durch den Niedergang des Bankenzentrums Libanon und den Iran-Iraq-Krieg — überdeckt zunächst die weiterhin schwelende innenpolitische Polarisierung. Erst 1988 gibt Hussayn die Ansprüche Jordaniens auf die Westbank zugunsten der Palästinenser auf. Im Gegenzug verzichtet die PLO auf ihr politisches Postulat, die einzig legitime Interessenvertretung der Palästinenser zu sein — also auch jener, die auf jordanischem Staatsgebiet leben. Damit ist der Weg für eine Einigung mit Israel frei. 1994 unterzeichnet Hussayn mit der „Washingtoner Erklärung“ einen Friedensvertrag mit dem Nachbarn. Sohn ‘Abdallah, der mit dem Tode Hussayns am 7.2.1999 die Regierungsgeschäfte übernommen hat, tritt bislang auch politisch in die Fußstapfen des beim jordanischen Volk sehr beliebten Vaters. Die Badu stehen nach wie vor loyal zum Königshaus, doch wird ‘Abdallah beweisen müssen, daß er bei den häufigen Krisen in der Region ähnlich weit blickt wie sein Vater.

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