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Länderkarte Uzbekistan

Im Frühjahr 2008 stellte eine New Yorker Galerie die Werke führender zentralasiatischer Videokünstler aus. Die Arbeit des Usbeken Vjatscheslav Akhunov mit dem Titel „Reinigungskraft“ zeigt einen Mann, der viktorianische Kriegsdenkmäler in London zwanghaft mit einer Zahnbürste säubert. Die etwas verschrobene Bildchiffre spielt auf die zwiespältige Rolle von Menschen aus
kolonisierten Ländern an, die ihre einstigen Kolonialherren als Überbringer von Kunst und Zivilisation preisen.


In Bezug auf das Gebiet des heutigen Usbekistan ist diese Vorstellung besonders absurd, blickt doch die Region auf eine mehr als zweieinhalbtausendjährige Kulturgeschichte zurück. Hier, an einem der Knotenpunkte der Großen Seidenstraße, traf sich bereits die Welt, als London noch eine keltische Provinzfeste war. Stadtplanung, Bewässerungssysteme, Seidenweberei, der Anbau von Getreide, Baumwolle, Weintrauben und Obst erreichten eine frühe Vervollkommnung. Anteil daran hatten Sogden, Inder und Chinesen ebenso wie Perser, Türken und Griechen.

Zu den Höhepunkten dieser immer wieder aufblühenden Hochkulturen gehört das mittelalterliche Observatorium des Timur-Enkels Ulugh Beg in Samarkand, das als eines der ersten dauerhaften Gebäude dieser Art überhaupt gilt. Ähnlich wie in den italienischen Stadtstaaten der Renaissance führte hier ein Herrscher das Patronat über die geistige Elite seiner Zeit und nahm selbst maßgeblich am intellektuellen Diskurs teil.


Vor diesem Hintergrund ist es kein Zufall, dass das bevölkerungsreichste Land Zentralasiens seit seiner Unabhängigkeit zunehmend selbstbewusst auftritt. Neuerdings sucht Usbekistan nach Wegen, seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit von den umliegenden Großmächten China und v. a. Russland zu entrinnen. Dabei kann es auf seine Stellung als einer der größten Baumwollproduzenten weltweit und auf respektable Gasressourcen bauen. Mit Südkorea etwa schloss Präsident Islam Karimov im Februar 2008 ein Abkommen über die Gründung eines Beteiligungsunternehmens zur Erschließung der Gaslagerstätten von Surgil. Unmittelbar darauf kam er in einer gemeinsamen Absichtserklärung mit den Vereinigten Arabischen Emiraten überein, Dubai zur Drehscheibe für den Handel mit usbekischer Baumwolle zu machen. Eine ähnliche Absichtserklärung soll überdies den Baumwoll- und Textilhandel mit Indonesien
intensivieren.


Die Anknüpfung neuer Wirtschaftsbeziehungen zu Südostasien und zum Nahen Osten zielt möglicherweise auch darauf ab, dem Druck von Seiten der USA und der Europäischen Union (EU) entgegenzuwirken. Der Westen wirft dem usbekischen Präsidenten vor, unter dem Deckmantel des Kampfes gegen islamistische Terroristen die Menschenrechte und die in der Verfassung verbriefte Meinungsfreiheit zu verletzen. Tatsächlich regiert der Islam Karimov die Republik seit 1990 mit harter Hand. Darüber hinaus stürzt die viel zu zögerliche Reformierung der streng zentralisierten, noch auf Sowjetzeiten zurückgehenden Planwirtschaft das Land in Armut und Arbeitslosigkeit.

Nach einem blutigen Angriff von Polizei- und Militärkräften auf unbewaffnete Demonstranten im Mai 2005 verhängte die EU Sanktionen gegen Usbekistan. Mittlerweile bemüht sich der Westen jedoch wieder um Annäherung. So reiste im Februar 2008 eine hochkarätige deutsche Wirtschaftsdelegation in die usbekische Hauptstadt Tashkent. Internationale Hilfsorganisationen geißelten den Besuch als Verrat an den Menschenrechten. Usbekische Oppositionskreise dagegen begrüßten das neue Engagement mit der Begründung, die Sanktionspolitik hätte nichts an der politischen Repression geändert.


Unterdessen nutzt Islam Karimov jede Gelegenheit, um die Einigkeit und v. a. Eigenständigkeit seines Landes zu beschwören. Anlässlich der 2.750-Jahrfeier Samarkands im August 2007 stellte er die Stadt zu Recht auf eine Stufe mit den antiken Zivilisationen Roms, Athens und Babylons. Sein Publikum bestand aus 400 handverlesenen Gästen aus aller Welt. Die usbekische Öffentlichkeit blieb aus Sicherheitsgründen von dem festlichen Ereignis ausgeschlossen. Schade, denn diesmal hätte der ungeliebte Staatschef zweifellos ungeteilte Zustimmung geerntet.

 

 

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