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Länderkarte Mauretanien

„Die nomadische Lebensweise in der Sahara ist nicht allein auf Viehzucht beschränkt. Vielmehr steht sie für eine traditionsreiche Kultur, geprägt durch eine eigene Literatur – eine mündliche natürlich, aber dennoch vorhanden – und eine eigene Kunst – ein wenig geometrisch vielleicht, aber trotzdem Kunst.“

Wenigen Europäern war die Sahara näher als dem französischen Forscher Théodore Monod (1902-2000). Und unter diesen wenigen war er derjenige, der gerade die mauretanische Sahara kannte wie kein Zweiter. Er schwärmte von der Strenge, Einfachheit und Kargheit des Landes, das auf wunderbare Weise schön sei „in den Augen derer, die es lieben“.


Théodore Monod kam erstmals 1922 nach Mauretanien, um im Auftrag des Pariser Naturkundemuseums die Fischarten vor der Küste zu untersuchen. Am Ende seiner rund einjährigen Forschungstätigkeit bestieg er anstelle eines Schiffes nach Frankreich ein Kamel. Mit einer Karawane reiste er rund 800 Kilometer durch die mauretanische Wüste ins senegalesische St. Louis. Von Stund an war er nicht nur dem Kamelreiten, sondern auch Afrika verfallen – eine Leidenschaft, die mehr als 70 Jahre anhalten sollte. In dieser Zeit erwarb er sich weltweit einen Ruf als unermüdlicher Saharawanderer und Universalgelehrter, der auf den Feldern der Geologie, Botanik, Zoologie und Archäologie gleichermaßen brillierte. Die Wüste war für ihn dabei stets ein Ort der Sehnsucht, „das schöne Land“, eine „Schule der Kraft und Ausdauer“.

Dennoch gab er sich keinen romantisierenden Vorstellungen hin, auch und gerade im Hinblick auf die nomadische Bevölkerung. „Der Nomade“, schrieb er 1990, „war den Zentralverwaltungen und Regierungen immer schon ein Dorn im Auge, weil er ein freier Mensch ist und als solcher für die Behörden eine Zumutung darstellt“. In dieser Unvereinbarkeit mit den Normen der Sesshaften erkannte er die wesentliche Gefahr für die saharischen Hirtenkulturen.

Heute ist von einer ganz anderen Bedrohung die Rede: Die Sahara, so die Befürchtung, verschlingt nach und nach die uralten Bibliotheken, die die Oasen des mauretanischen Adrar N’ahnet einst zu weithin geachteten Horten der Weisheit gemacht hat. "Das Wissen ist ein Schatz, der nicht kleiner wird, wenn man ihn mit anderen teilt", steht über der Tür einer solchen Privatbibliothek in Chinguetti. Der ehemals wichtige Karawanenknotenpunkt gilt als siebtheiligste Stadt des Islam und genießt gemeinsam mit einigen Nachbar-Oasen den Status eines Weltkulturerbes. Den Wüstensand beeindruckt das wenig: Er rückt den traditionsreichen Orten hartnäckiger denn je zu Leibe und macht dabei auch vor Jahrhunderte alten Koranabschriften auf Gazellenhaut keinen Halt.

Für Théodore Monod erlangte Chinguetti eine fast schon schicksalhafte Bedeutung. Er, der 1928 als erster Europäer das Adrar N’ahnet durchquerte, kehrte noch im hohen Alter wiederholt hierher zurück, um einen enormen Meteoriten aufzuspüren, den ein französischer Offizier 1916 in der Umgebung von Chinguetti angeblich entdeckt haben wollte. Am Ende musste sich Monod die Vergeblichkeit seiner Bemühungen eingestehen: „Die ganze Geschichte basiert auf nichts weiter als der Verwechslung einer ganz normalen Felsformation mit einer vermeintlichen Meteoritenmasse.“

Bei alledem war er sich stets im Klaren darüber, dass seine Art zu forschen bald schon der Vergangenheit angehören würde. Sich selbst bezeichnete er gern als letzten Saharareisenden der Kamelepoche und hegte keinen Zweifel daran, dass neue Untersuchungsmethoden und insbesondere neue Möglichkeiten der Fortbewegung Kamelwanderer wie ihn rasch überflüssig machen würden.


Abgesehen davon zieht die mauretanische Sahara längst eine wachsende Zahl von ausländischen Besuchern an. Tatsächlich spielt der Wüstentourismus mittlerweile eine wichtige wirtschaftliche Rolle und hilft etwa dabei, den Erhalt der Bibliotheken zu finanzieren. Umgekehrt trägt deren kulturelle Bedeutung zum besonderen Reiz dieses Teils der Sahara bei. „Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt“, sagt ein arabisches Sprichwort. Dieser Garten treibt in Mauretanien einzigartige Blüten, die fast vergessen waren. Die Erinnerung daran hilft vielleicht, dass diese Blüten nicht im Sand ertrinken.

 

Hintergrundbericht Mauretanien

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