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Länderkarte Mali


„Afrika wird brennen“, prophezeite Ende des vergangenen Jahres Alpha Oumar Konaré angesichts der fortschreitenden Verarmung des Kontinents. "Unsere Jugend wird den Weg der Gewalt wählen, wenn wir ihr keine Alternative aufzeigen."

Der amtierende Präsident der Kommission der Afrikanischen Union (AU) weiß, wovon er spricht: Bis 2002 war er Präsident der Republik Mali. Das Sahelland, das zu 65% aus Wüste und Halbwüste besteht, gehört mit einem Bruttoinlandsprodukt von 333 Euro zu den ärmsten Ländern der Welt. Durchschnittlich verdiente jeder Malier 2005 kaum 1,5 Euro am Tag. Dazu kommt, dass nahezu die Hälfte der insgesamt knapp 12 Millionen Einwohner das 15. Lebensjahr noch nicht erreicht hat. Da es an Ausbildungsplätzen fehlt, herrscht gerade unter Jugendlichen eine immense Arbeits- und Perspektivlosigkeit.

Trotz alledem gilt Mali als funktionierende Demokratie, auch wenn das Auswärtige Amt lapidar feststellt, dass eine Opposition derzeit nicht erkennbar sei. Der Grund: Alle größeren Parteien sind in der Regierung vertreten. Voreilige Kritik daran ist allerdings unangebracht, umso mehr, als in anderen Vielvölkerstaaten wie Irak oder Afghanistan die Einbindung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und politischen Kräfte gerne als Allheilmittel dargestellt wird.

Tatsächlich lebt auch in Mali – wie in Westafrika allgemein üblich – eine Vielzahl unterschiedlichster Volksgruppen. Dazu gehören u. a. die Bambara, Malinke, Peul (Fulbe), Sonrhai, Sarakollé, Tuareg, Bobo, Dogon, Senufo und Bozo. Mehr als drei Viertel der Malier sind muslimischen Glaubens, die große Mehrheit hängt zusätzlich animistischen Vorstellungen an.

Entsprechend seiner Völkervielfalt verfügt das Land über eine ganze Serie von Nationalsprachen, von denen Bambara die meistgesprochene ist. Amtssprache ist Französisch. Überdies nimmt Frankreich als ehemalige Kolonialmacht in den Außenhandelsbeziehungen eine herausragende Position ein.


Überblick über die politische und wirtschaftliche Situation


Quellen: Auswärtiges Amt (AA), Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai),


Seit Beginn der Dritten Republik im Januar 1992, mit der Mali ein jahrzehntelanges Einparteienregime überwand, hat sich das Land in politischer Hinsicht zu einem Stabilitätsfaktor entwickelt. Das ist gar nicht hoch genug zu bewerten in einer Region, in der laut einer Studie des UN-Büros für Westafrika die meisten Einkommen durch Kriege entstehen. "Krieg ist der größte Arbeitgeber in Westafrika“, resümiert der UN-Sonderbeauftragte Ahmedou Ould Abdallah nüchtern. Für Westafrikas Jugend, fährt er fort, bleibe oftmals nur die Hoffnung „auf Auswanderung oder Bereicherung in öffentlichen Ämtern“.

Das sind die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für eine junge Demokratie wie Mali. Dennoch entwickelt sie sich bislang vergleichsweise vorbildlich. Das zeigt sich etwa daran, dass Alpha Oumar Konaré, 1992 in den ersten freien Wahlen des Landes zum Präsidenten gewählt, nach 10-jähriger Amtszeit verfassungsgemäß nicht mehr kandidierte. Sein Nachfolger ist seit dem 12. Mai 2002 Amadou Toumani Touré, ein alter Bekannter im nationalen politischen Geschäft. Der Ex-General führte Mali zwölf Jahre zuvor nach einem Putsch gegen den Diktator Moussa Traoré als Übergangspräsident in die Demokratie.

2002 ernannte Amadou Toumani Touré den Targi Ahmed Mohamed Ag Hamani zum Premierminister. Auch wenn der bei einer Regierungsumbildung zwei Jahre später sein Amt wieder verlor, zeugt die Ernennung doch von dem anhaltenden Bemühen, die Probleme der Tuareg im Norden des Landes ernst zu nehmen (s. u.: Die Entwicklung im Norden des Landes).

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) ordnet Mali der Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder (LLDC) zu. Als besonders hemmend erweist sich hier wie anderswo die schwerfällige, nach französischem Vorbild zentralistisch ausgerichtete Bürokratie. Sie gibt einer weit verbreiteten Korruption Nahrung, in der auch Hilfsgelder versickern. Im April 2004 wurde deshalb nach kanadischem Vorbild für sieben Jahre der "Vérificateur Général" Sidi Sossa Diarra eingesetzt, der als unabhängige Kontrollinstanz gegen die illegale Verwendung staatlicher Gelder Zugang zu allen Akten haben soll. Er ist nicht weisungsgebunden und legt einen jährlichen Bericht vor. Bewirkt hat er bisher wenig.

In ökonomischer Hinsicht leidet Mali unter den Auswirkungen einer einseitig ausgerichteten Wirtschaft, die stark von externen Faktoren beeinflusst wird. Dazu zählt insbesondere der Bürgerkrieg in der benachbarten Côte d’Ivoire, über deren Hafen Abidjan bis zum Ausbruch der dortigen Unruhen im Jahr 2002 rund 70% des malischen Außenhandels abgewickelt wurden. Auch Umwelteinflüsse wie die Heuschreckenplage 2004 bringen das vornehmlich agrarisch geprägte Land leicht ins Taumeln.

Wichtigster Rohstoff Malis ist Gold. Das hat eine lange Tradition: Schon die mittelalterlichen Königreiche Mali, Ghana und Songhai, die allesamt vom gegenwärtigen malischen Staatsgebiet ihren Ausgang nahmen, waren für ihren sagenhaften Goldreichtum berühmt. Heute stehen und fallen die wichtigen Erlöse aus dem Goldexport mit dem schwankenden Weltmarktpreis.

Ähnliches gilt für die Ausfuhr agrarischer Produkte. Die Landwirtschaft beschäftigt rund 80% der aktiven Bevölkerung. Im mittleren und nördlichen Mali betreiben Nomaden und Halbnomaden extensive Viehhaltung. Im Süden und Südwesten sowie längs des Niger wird vorwiegend Reis und Hirse für den inländischen Verbrauch angebaut, während Erdnüsse, Zuckerrohr und vor allem Baumwolle für den Export produziert werden.

Als mittlerweile größter Baumwollproduzent im subsaharischen Afrika muss Mali seit Jahren erleben, dass die Gewinne der Globalisierung woanders gemacht werden. Die Ursache liegt in den massiven Subventionen, die Konkurrenten wie die USA ihren Bauern zahlen. Dadurch wird der Weltmarktpreis künstlich niedrig gehalten und sogar kontinuierlich gesenkt. Das Nachsehen haben rund 1,5 Mio. kleinbäuerliche Familien in Sahelstaaten wie Mali, Benin und Burkina Faso, für die der Baumwollanbau häufig die einzige Einkommensmöglichkeit darstellt. Viele von ihnen müssen aufgeben, obwohl die Wettbewerbsvorteile eindeutig auf ihrer Seite liegen: Die Produktionskosten betragen gerade mal ein Drittel derjenigen in den USA, und durch die Handernte wird eine deutlich höhere Qualität erzielt als bei der maschinengepflückten Baumwolle.

Auswege aus der Krise sieht die Regierung in erster Linie in der Diversifizierung und Umstrukturierung der Wirtschaft. Durch die Privatisierung einiger Staatsunternehmen erhofft man sich wirtschaftlichen Aufschwung. Allerdings kommen dringend erforderliche Modernisierungsmaßnahmen auf Grund organisatorischer und finanzieller Schwierigkeiten nur sehr schleppend in Gang.


Die Entwicklung im Norden des Landes


Quelle: Programm Mali-Nord, ein Strukturhilfeprojekt aus Mitteln der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

(http://www.mali-nord.de/hintergrund/hintergrund.html)


In den drei nördlichen Regionen Malis (Timbuktu, Gao, Kidal) leben knapp 1,5 Mio Menschen, die ihren Unterhalt vor allem als nomadische Viehhalter, Ackerbauern und Fischer sichern. Dürren und Bevölkerungswachstum haben die Konkurrenz um die knappen natürlichen Ressourcen während der letzten Jahrzehnte zunehmend verschärft.

Angesichts der sich verschlechternden Lebensbedingungen und einer weithin fehlenden Unterstützung aus der Hauptstadt Bamako wurden unter den Tuareg Forderungen nach Selbstverwaltung laut. Das mangelnde Entgegenkommen der Zentralregierung mündete schließlich in die Tuareg-Rebellion im Jahre 1990. Bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen waren die Folge. Erst 1995 gelang es Vertretern der verfeindeten Gruppen, den Konflikt friedlich beizulegen.

Der Neubeginn stand unter schwierigen Vorzeichen: Brunnen, Bewässerungsanlagen, Wohnhäuser, Schulen, Gesundheitsposten und Strassen waren zerstört, die staatliche Verwaltung existierte nicht mehr. Der Bevölkerung fehlte eine gesicherte Existenzgrundlage, und dies in einer ökologischen Zone, die auch ohne Kriegseinwirkung nur marginale Entwicklungschancen bietet.

Das Hauptproblem liegt in der zunehmenden Desertifikation des Sahelgebiets. Hilfsprogramme wie der Bau von Erosions-Schutzwällen oder die Anpflanzung widerstandsfähiger Bäume können den Vormarsch der Dünen allenfalls punktuell stoppen. Zurückgehende Niederschläge verschärfen die Notlage, was manche der Betroffenen dazu verleitet, das Grundwasser abzupumpen oder ihr Vieh auch da weiden zu lassen, wo die Erosion schon weit fortgeschritten ist.

Die Situation erfordert ein grundsätzliches Umdenken. Besonders die Tuareg, Hirten seit jeher, mussten sich umstellen. Auf Wasserstellen und Regenzeiten können sie sich heute nicht mehr verlassen. Deshalb leben die meisten von ihnen jetzt als Halbnomaden. Nur noch zeitweise ziehen sie mit ihren – an Zahl geringeren – Tierherden durch die Wüste: Den Rest des Jahres sind sie sesshaft und treiben Ackerbau.

Unterstützung bekommen sie und andere Völker in der Region seit 1993 durch das Programm Mali-Nord. Wesentlich daran beteiligt sind die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und die KfW Entwicklungsbank im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Ziel des Programms ist es, die Folgen des 1995 beigelegten Konfliktes durch wirtschaftliche Impulse zu überwinden. Dabei ist die Bevölkerung in hohem Maße eingebunden und bestimmt mit, wofür die Projektgelder eingesetzt werden.

So wurden etwa lokal produzierte Pflüge für Esels- und Ochsengespanne angeschafft. Überhaupt stellten die Schmiede des Projektgebietes allerlei dringend benötigtes Werkzeug her, vor allem Hacken für Erd- und Lehmarbeiten. Die Frauen der Tuareg bekamen Kleinkredite, um die Produktion der traditionellen Zelte aus Tierhäuten wieder aufzunehmen.

Was hier vor sich geht, ist nicht weniger als die längst überfällige Anpassung herkömmlicher Lebensweisen an zunehmend schwierige Umweltbedingungen. Wichtig dabei ist, dass dies gemeinschaftlich und in enger Anlehnung an lokale Traditionen geschieht. Die Tuareg geben eben nicht ihre Nomadenkultur vollständig auf. Im Gegenteil bewahren sie sie, indem sie ihre Lebensgrundlage erweitern. Das gibt Hoffnung, dass Afrika vielleicht doch nicht brennen muss, wie Alpha Oumar Konaré befürchtet.

 

Essay Mali

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