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Länderkarte Mongolei

Im März 2008 hat die US-amerikanische Zeitschrift National Geographic die mongolische Wüste Gobi zu einer der sechs weltweit besten Outdoor-Destinationen gekürt. Es gebe, so der stolze Kommentar eines Vertreters der Mongolischen Tourismusorganisation, eben nicht viele Orte auf der Erde, an denen man an ein und demselben Tag über die Steppe reiten, eine Nomadenfamilie besuchen und danach eine Massage und ein erlesenes Dinner in einem First-Class-Hotel erleben könne.

Für die meisten Mongolen sieht die Wirklichkeit anders aus. Zwar wuchs die heimische Wirtschaft aufgrund des Rohstoffbooms in den letzten Jahren jeweils um bis zu 10%, doch verorten die offiziellen Statistiken ein Drittel oder sogar die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Forciert hat diese Entwicklung der Zusammenbruch der Sowjetunion. Der Einfluss des Kreml auf die vormalige Mongolische Volksrepublik war so groß, dass das nominell unabhängige Land hinter vorgehaltener Hand gern als 16. Sowjetrepublik bezeichnet wurde. Mit dem Wegfall der alten Ordnungsmacht drohte auch die Mongolei zu kollabieren, die Arbeitslosigkeit stieg, und wo vorher der Staat regelnd eingriff, blieben die Menschen nun weitgehend sich selbst überlassen.


Um zu überleben, erschlossen sie neue Erwerbsquellen. Die waren nicht immer erwünscht und obendrein in dem riesigen, dünn besiedelten und weitgehend unzugänglichen Land kaum kontrollierbar. So nahmen die illegale Jagd und der Handel mit Wildtieren über die chinesische und russische Grenze derart zu, dass der Bestand mancher Tierarten in den vergangenen 18 Jahren um bis zu 90% zurückging. In einer Region, die einst als ideales Rückzugsgebiet für die großen Säugetiere Zentralasiens galt, sind Rotwild, Schneeleopard, Wildkamel und Gobibär heute fast ausgerottet.


Eine andere typische Erscheinung der nachkommunistischen Zeit sind die so genannten Ninjas. So heißen in der Mongolei die illegalen Goldgräber. Das Land verfügt über Goldressourcen in der Größenordnung von 3.000 Tonnen. Der Abbau erfolgt größtenteils in Form von industriellen Tagebauen entlang der Flussläufe, um die sich seit Mitte der 1990er Jahre ganze Kolonien von Glücksrittern gebildet haben, die hier ungefragt auf eigene Rechnung schürfen. Nach Schätzungen der Weltbank beträgt ihre Zahl landesweit rund 70.000 bis 100.000 Menschen, darunter entwurzelte Nomaden, Studenten auf der Suche nach einem Nebenverdienst während der Semesterferien, v. a. aber die Verlierer der neuen marktwirtschaftlichen Ordnung. Die Behörden versuchen des Problems Herr zu werden, indem sie die illegalen Schürfer gleich lastwagenweise in entlegene ländliche Gebiete abschieben – bislang mit wenig Erfolg.

Die „Ninjas“ sind eine der Kehrseiten des geradezu dramatisch wachsenden mongolischen Bergbausektors. Der schöpft aus einem sehr großen und bislang weitgehend ungenutzten Potential an mineralischen Rohstoffen. Allein die Kupferreserven des Landes belaufen sich nach den jüngsten Neuentdeckungen in der Süd-Gobi insgesamt auf weit über 30 Millionen Tonnen Kupfermetall – eine Menge, die in etwa der doppelten weltweiten Jahresproduktion entspricht. Besonders China ist an diesen Bodenschätzen interessiert, kanadische und russische Bergbaugesellschaften sind bereits vor Ort tätig. Die Erschließungskosten sind enorm, da es in der Regel an jeglicher Infrastruktur fehlt. Im Gegenzug hat die mongolische Regierung den ausländischen Investoren günstige Konditionen eingeräumt, ohne jedoch die von der Bergbauindustrie verursachten Umweltschäden – die Verwüstung ganzer Landstriche und den Einsatz giftiger Substanzen im großen Stil – ausreichend zu berücksichtigen. Jetzt soll der staatliche Gewinnanteil deutlich erhöht werden. Ähnliche Bestrebungen lassen sich auch in anderen rohstoffreichen Ländern Zentralasiens beobachten. Das zeugt von dem gewachsenen Selbstbewusstsein der Region, schürt aber zugleich Ängste vor einer nachhaltigen Verschlechterung des Investitionsklimas. Im Falle der Mongolei ist allerdings keineswegs sicher, dass ein höherer Gewinnanteil des Staates auch wirklich der Volkswirtschaft zugute käme, da nicht unbedeutende Haushaltsmittel regelmäßig in Korruptionskassen versickern.


Hauptleidtragende der Bergbauindustrie sind zweifellos die mongolischen Viehzüchter, die die belastete Umwelt der Abbaugebiete meiden müssen, wenn ihnen die Gesundheit ihrer Herden lieb ist. Die langen und z. T. extrem harten Winter der vergangenen Jahre haben die Tierbestände zusätzlich dezimiert. Gute Weidegründe werden rarer und zwingen eine wachsende Anzahl von Nomaden in die Städte. Zwar lebt noch immer rund die Hälfte der 2,7 Millionen Mongolen von der Viehzucht, doch hat die Erosion dieser traditionellen Lebensform längst begonnen.

Da wundert es nicht, dass ein Nationalheld wie Dschingis Khan derzeit eine ungeahnte Renaissance erlebt. Sein Konterfei ist überall zu sehen, vom T-Shirt bis zur Kühlerhaube. Sogar einem Nachtclub leiht er seinen Namen. Das fördert nicht nur den Umsatz, sondern auch das mongolische Selbstwertgefühl – so lange jedenfalls, wie es an moderneren Identifikationsfiguren mangelt.

 

 

Hintergrundbericht Mongolei

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