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Länderkarte China

Viele Merkmale, die unser Leben maßgeblich bestimmen, haben ihren Ursprung in der vermutlich mehr als 4000 Jahre alten Kultur Chinas. Schießpulver und Kompass gehören ebenso dazu wie Papier, Papiergeld und Kreditwesen. Heute hat das ostasiatische Land seine Innovationskraft und Produktivität wiedergefunden. Es verfügt nicht nur über eine der größten, sondern auch über die derzeit am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Erde.


Das erzeugt Ängste und Vorurteile, auch und gerade in Europa. Die Geschichte des europäischen Chinabildes ist reich an pauschalen Bewertungen, die nahezu übergangslos zwischen Bewunderung, Herablassung und Verteufelung schwanken. Nannte Immanuel Kant China noch im 18. Jahrhundert das „kultivierteste Reich der Welt“, galt es Hegel kaum 50 Jahre später als Hort der „Geistlosigkeit“. Jetzt, da das einstige Reich der Mitte aus der ideologischen Starre des Maoismus erwacht ist, weicht das zur Gewohnheit gewordene Überlegenheitsgefühl der Europäer wachsenden Ressentiments und der Sorge, wirtschaftlich überflügelt zu werden.


Tatsächlich erlebt China eine Entwicklung, in der manche eine zweite industrielle Revolution zu erkennen glauben. Seit den tief greifenden Wirtschaftsreformen der 1990er Jahre boomt der Privatsektor und drängt die planwirtschaftlich operierenden Staatsbetriebe an den Rand. Etwa 90 Prozent aller Unternehmen befinden sich mittlerweile in Privatbesitz, beginnend bei kleinen Handwerks- und Handelsfirmen bis hin zu mittelständischen Betrieben mit 100 und mehr Angestellten. Letztere blühen etwa im Delta des Pearl River, einem jener südchinesischen Gebiete, in denen die Kommunistische Partei in den 1980er Jahren unter der Führung ihres damaligen Vorsitzenden Deng Xiaoping erste kapitalistische Gehversuche unternahm. Heute produzieren dort Textilfabriken unterschiedlichster Größe, denen China u. a. seinen Aufstieg zum größten Jeansproduzenten der Welt verdankt.

Es kann kaum überraschen, dass das halsbrecherische Wirtschaftswachstum seine Schattenseiten hat. Eine davon ist die vielerorts praktizierte Ausbeutung der Arbeiter, die sich nicht nur in den z. T. sehr niedrigen Löhnen, sondern auch in massiven Gesundheitsschädigungen und Arbeitstagen von bis zu 18 Stunden äußert. Große Opfer fordert zudem der immense Energiebedarf. Nicht eingehaltene Sicherheitsstandards etwa führen in den Zechen des Landes zu einer Häufung der Grubenunglücke. Noch viel weitreichendere Verwerfungen verursacht das milliardenschwere Energieprojekt des Drei-Schluchten-Staudamms am Jangtsekiang, für dessen Verwirklichung gewaltige Zwangsumsiedlungsmaßnahmen und unübersehbare Umweltzerstörungen in Kauf genommen werden.


Zugleich nimmt das Wohlstandsgefälle zwischen städtischen und ländlichen Räumen dramatisch zu. Auch die Kluft zwischen sozialen Aufsteigern und der breiten Bevölkerung wird größer. Der Unmut darüber entlädt sich in Protestmärschen und Massenkundgebungen. Allein für das Jahr 2005 geben offizielle Stellen die Zahl der Großdemonstrationen mit 87.000 an.

Unter z. T. krasser Benachteiligung leiden insbesondere die ethnischen Minderheiten Chinas. Die gezielte Kolonisierung durch Han-Chinesen bei gleichzeitiger Umsiedlung ganzer Bevölkerungsteile, schlechtere Aus- und Fortbildungschancen oder das geringe Maß an praktischer Autonomie sind nur einige der Probleme, mit denen etwa Tibeter oder muslimische Uighuren im Westen des Landes kämpfen müssen. Letztere werden überdies aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit gerne kollektiv als islamistische Terroristen verunglimpft – ein Umstand, der in der Weltöffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen wird. Die richtet ihre Aufmerksamkeit vorzugsweise auf Tibet oder auf unverhüllte Menschenrechtsverletzungen wie die gewaltsame Niederschlagung der friedlichen Studentenproteste auf dem Tienanmen-Platz 1989.


Tatsächlich steht die ökonomische Öffnung Chinas in deutlichem Gegensatz zu der nach wie vor herrschenden politischen Repression. Die kommunistischen Machthaber nehmen für sich in Anspruch, Andersdenkende einzusperren, ganze Bevölkerungsgruppen zu kriminalisieren und die Medien strengster Zensur zu unterwerfen. Der Westen mahnt diese Missstände zu Recht an – und verschweigt dabei seine guten Geschäfte mit der Volkrepublik. Denn auch westliche Firmen zwingen chinesischen Fabriken unrealistische Fertigungszeiten und niedrige Preise auf und unterstützen damit das Unrechtssystem.


Allerdings hat das heutige China mit dem autoritären Staat der Mao-Ära nicht mehr viel zu tun. Der Wandel von der Planwirtschaft zur "sozialistischen Marktwirtschaft chinesischer Prägung" hat v. a. in den Städten zu einem deutlichen Anstieg des Lebensstandards geführt. Darüber hinaus sorgt die Einführung von Wahlen auf der Ebene der Dörfer und städtischen Nachbarschaftsviertel zumindest an der Basis für mehr Möglichkeiten der Mitbestimmung. Noch sind der politischen Teilhabe enge Grenzen gesetzt. Die wirtschaftliche Entwicklung und verbesserte Bildungsangebote werden jedoch den Forderungen der Menschen nach Partizipation zunehmende Dringlichkeit verleihen. Die Hoffnung besteht, dass davon auch Tibeter, Uighuren und andere Minderheiten profitieren können.


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