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Länderkarte Namibia

Dass in Namibia heute 2 Millionen Menschen leben, grenzt an ein Wunder. Die südwestafrikanische Republik besteht fast ausschließlich aus Wüsten bzw. Halbwüsten und zählt zu den wasserärmsten Ländern der Erde. Entlang der Atlantikküste verläuft die extrem lebensfeindliche Namib, die aufgrund ablandiger Winde und wegen des kalten Benguela-Meeresstroms so gut wie keine Niederschläge empfängt. Das westliche Landesdrittel beherrscht die tiefsandige Kalahri. In den zentralen Hochebenen mit der Hauptstadt Windhoek erlauben sporadische Regenfälle immerhin eine extensive Viehhaltung, während der Norden als einzige Region auch Trockenfeldbau zulässt. Dort, an der Grenze zu Angola, verlaufen die Flüsse Kunene und Okavango. Ganzjährig Wasser führend ist ansonsten nur noch der Oranje, der die Grenze zu Südafrika markiert. Allerdings liegt er in voller Breite auf südafrikanischem Territorium, sodass die Wasserquoten jährlich mit dem südlichen Nachbarn ausgehandelt werden müssen.


Die besonderen klimatischen Bedingungen Namibias haben eine Landschaft von herber Schönheit geformt, die von turmhohen Sanddünen über bizarre Bergketten bis zu wildreichen Savannen reicht. Die raue Küstenwüste hat das Land lange Zeit vor fremden Eroberern geschützt. Um 1800 kamen die ersten Händler und Missionare, 1884 errichtete das Deutsche Reich in Namibia das so genannte Schutzgebiet „Deutsch-Südwestafrika“. Die folgenden 100 Jahre der Geschichte des Landes sind von Fremdherrschaft, Gewalt und Befreiungskampf geprägt. Einen blutigen Höhepunkt bildet der bereits 1904 von deutschen Kolonialtruppen begangene Völkermord an den Herero, für den sich die Bundesrepublik zwar offiziell entschuldigt hat, allerdings ohne den Tatbestand des Völkermords anzuerkennen und ohne finanzielle Wiedergutmachung zu leisten. 1915, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, erobern südafrikanische Truppen Namibia. Sie bleiben bis 1990, zunächst ausgestattet mit einem Mandat vom Völkerbund, seit 1949 als Besatzer. In der Folgezeit betrachtete Südafrika das Land faktisch als 5. Provinz und errichtete dort ein Apartheidsregime, gegen das die Widerstandsbewegung SWAPO (South West African Peoples Organisation) 1966 zum bewaffneten Kampf aufrief.

Heute ist die Swapo Regierungspartei eines seit 1990 unabhängigen Staates. Unter dem Motto „Ein Namibia – eine Nation“ ist es ihr gelungen, den Transformationsprozess von einer rassistischen Gesellschaft zu einem demokratisch und marktwirtschaftlich orientierten Gemeinwesen ohne größere Brüche voranzutreiben. Wie erfolgreich diese Entwicklung verlief, zeigte sich zuletzt 2004, als innerhalb eines Jahres Präsidentschafts-, Parlaments- und Regionalwahlen stattfanden und es dennoch zu keinerlei nennenswerten Unregelmäßigkeiten oder Störungen des Wahlverlaufs kam. Dessen ungeachtet ist die Kluft zwischen Stadt und Land, zwischen dem neuen Reichtum der Führungselite und der Armut wachsender Teile der Bevölkerung nicht kleiner geworden.


Auch das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen ist nicht frei von Spannungen. In Namibia befinden sich gut zwei Fünftel des bewirtschafteten Landes in den Händen von Großgrundbesitzern. Etwa die Hälfte davon sind Weiße. Deren Vorfahren profitierten in der Regel von der bereits zu deutschen Kolonialzeiten geübten Praxis, schwarze Bauern entschädigungslos zu enteignen und das Land samt Rinderbestand an weiße Ansiedler zu verkaufen. Forderungen aus Kreisen der Regierung nach einer radikalen Landreform zugunsten der schwarzen Bevölkerung haben bei weißen Farmern zwischenzeitlich die Befürchtung vor Enteignungsexzessen geschürt, wie sie aus Zimbabwe bekannt sind. Mittlerweile jedoch zeigt sich, dass sich die Regierung rechtsstaatlicher Mittel bedient und dabei auch Rückschläge hinnehmen muss. Erst im März 2008 hat das Windhoeker Obergericht in einem Aufsehen erregenden Urteil erstmals die Enteignung von mehreren weißen Farmern gestoppt. Die Kläger hatten sich ausdrücklich nicht gegen das Recht des Staates auf Enteignungen gewandt, sondern Verfahrensfehler angeprangert. Dem haben die Richter stattgegeben und überdies von den zuständigen Behörden gefordert, in Zukunft vor einer geplanten Enteignung etwa die Konsequenzen für die – meist schwarzen – Farmarbeiter und deren Familien ausreichend zu berücksichtigen.

Die drängendsten Probleme Namibias betreffen jedoch stets Umweltfragen. Zu heftigen Kontroversen führte etwa die Absicht der Regierung, den Grenzfluss Kunene bei den Wasserfällen von Epupa aufzustauen, um dort ein Kraftwerk zu betreiben. Ziel war die Lockerung der Abhängigkeit von Energielieferungen aus Südafrika. Allerdings wäre dem ehrgeizigen Staudamm-Projekt ein Großteil des Siedlungsgebiets der Himba zum Opfer gefallen. Dieses kleine Nomadenvolk hat seine sehr traditionellen Lebensformen weitgehend bewahrt und über Generationen hinweg ein System entwickelt, das die Weiderouten und die jahreszeitlich wechselnde Nutzung des Bodens regelt. Die drohende Entwurzelung der Himba schlug auch international derart hohe Wellen, dass sich am Ende kein Geldgeber fand und die Verantwortlichen ihre Staudammpläne schließlich ad acta legten.


Wie effektiv jedoch andernorts in Namibia Umweltpflege betrieben wird, zeigt das renomierte Forschungslabor Gobabeb in der Namib-Wüste. Das beschäftigt sich z. B. mit der schonenden Nutzung des Regenwassers im Trockenflussbett des Kuiseb und schafft damit ein nachhaltiges Managementkonzept für alle übrigen Trockenflüsse Namibias. Darin, und nicht in Großstaudämmen, liegt die ökologische Zukunft des Landes.

 

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