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Länderkarte Kazakhstan

Kasachstan, größter Binnenstaat und neuntgrößtes Land der Erde, beheimatet in seinen Grenzen ein buntes Völkergemisch. Gut die Hälfte der hier lebenden Menschen zählt sich zu den Kasachen, Russen stellen mit einem Bevölkerungsanteil von rund 30 Prozent die größte Minderheit, der Rest verteilt sich auf Usbeken, Uighuren, Tataren und andere zentralasiatische Volksgruppen. Bemerkenswert ist jedoch nicht so sehr die Vielfalt der Ethnien, die in ähnlicher Form auch die Nachbarländer kennzeichnet, sondern deren auffällig konfliktfreies Zusammenleben.


Das liegt in erster Linie an den reichen Erdölvorkommen, die es der ehemaligen Sowjetrepublik bislang ermöglicht haben, den Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft weitgehend schmerzfrei zu meistern. Die natürlichen Bodenschätze – neben Öl sind das v. a. Gas, Uran und Kupfer – spülen viel Geld in die Staatskasse und münzen Kasachstans prekäre geopolitische Lage zwischen den Großmächten China und Russland in einen Standortvorteil um. So soll die Kapazität der bereits bestehenden Ölpipeline, die vom westkasachischen Tengiz zur russischen Schwarzmeerstadt Novorossijsk führt, um mehr als ein Drittel erhöht werden. An Russland vorbei führt die geplante Verbindung zur Pipeline vom aserbaidschanischen Baku in die türkische Mittelmeerstadt Ceyhan. Bereits seit Ende 2005 fließt kasachisches Öl überdies in die westchinesische Provinz Xinjiang.

Dennoch leidet das dünn besiedelte, überwiegend von Wüsten und Steppen geprägte Land unter großen regionalen Entwicklungsunterschieden und kämpft mit Arbeitslosigkeit, Inflation und Korruption. Die Politik bestimmt Nursultan Nasarbajew, seit 1991 Präsident der unabhängigen Republik Kasachstan und praktisch unanfechtbarer Alleinherrscher. 2005 hat er sich zum dritten Mal wiederwählen lassen, zwei Jahre später erwirkte er vom Parlament die Erlaubnis, unbegrenzt oft zu kandidieren. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat die Präsidentschaftswahlen mehrfach kritisiert, „Reporter ohne Grenzen“ sieht die Medien- und Meinungsfreiheit stark eingeschränkt.

An der internationalen Wertschätzung des kasachischen Staatsführers ändert das nichts, jedenfalls nicht, so lange das Öl sprudelt. Mit Hilfe der Petrodollars ließ er 1997 die Hauptstadt von Almaty im äußersten Südosten des Landes nach Astana verlegen. Wo bis dahin sowjetische Plattenbauten das Bild prägten, entsteht seither eine glitzernde Retortenstadt, gegen die sich – so die großspurige Eigenwerbung – aktuelle Bauprojekte à la Dubai zwergenhaft ausnähmen. Offiziell war es die zentrale Lage, die Astana den Vorzug vor Almaty gaben. Eine Rolle spielte sicher auch der Wunsch nach effektiverer Kontrolle der noch immer einflussreichen russischen Minderheit im Norden Kasachstans. Manche vermuten als Ursache auch ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis des Alleinherrschers: Die neue Hauptstadt liegt in der Heimat seines Clans und erleichtert im Zweifelsfall die Nachfolgeregelung im Fall seines Ausscheidens. Eine gewisse Nervosität in dieser Frage verrät der Fall des ehemaligen Schwiegersohns, Ex-Botschafters und Medienmoguls Rachat Alijew, der aufgrund seiner Präsidentschaftsambitionen nun dem Bannstrahl des Landesvaters ausgesetzt ist – der im Exil lebende Politiker und Geschäftsmann wurde in Abwesenheit gleich mehrerer schwerer Straftaten angeklagt und zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.


So geschickt es Nursultan Nasarbajew versteht, seine Interessen auf dem internationalen Parkett zu wahren und sowohl Russland und China als auch den Westen zufrieden zu stellen, so erfolgreich konsolidiert er seit Jahrzehnten seine Machtstellung in Kasachstan selbst. Dabei dient ihm die neue Hauptstadt Astana als Bühne einer zunehmend bizarren Selbstdarstellung. Teil der kostspieligen Stadtanlage ist der so genannte Palast des Friedens und der Eintracht nach den Plänen des britischen Stararchitekten Norman Foster. 2009 lädt der Präsident bereits zum dritten „Weltkongress der Religionen“ in den modernen Pyramidenbau. Derlei Großereignisse als reine Show abzutun wäre indessen vorschnell. Tatsächlich verfügt Nasarbajew über eine Integrationskraft, die maßgeblich zur friedlichen Koexistenz der je zur Hälfte muslimischen und russisch-orthodoxen Bevölkerung seines Landes beiträgt.

Auch in anderer Hinsicht kann er Erfolge vorweisen. So hat der Bau eines 13 Kilometer langen Staudamms dafür gesorgt, dass der totgesagte Aralsee zumindest auf kasachischer Seite wieder an Boden gewinnt und damit das ökologische Siechtum der Region teilweise beendet. Hunderte von arbeitslosen Fischern können seitdem wieder ihrem Handwerk nachgehen. Auf landwirtschaftlicher Ebene verbindet Kasachstan speziell mit Deutschland eine enge Zusammenarbeit, die auf den verstärkten Import deutscher Lebensmittel und Agrartechnologie abzielt. Überhaupt sind deutsche Unternehmen in Kasachstan sehr aktiv, rund 160 Firmen unterhalten dort mittlerweile sogar eine Zweigstelle.

Dies steht in Zusammenhang mit den Bemühungen der kasachischen Regierung, nicht nur auf die Rohstoffe zu bauen, sondern die Wirtschaft zu diversifizieren und die Fertigung im Land zu halten: von der Baumwolle bis zur Jeans, vom Kupfererz bis zu IT-Technik. Bereits heute geht es vielen Kasachen besser als vor zehn Jahren, was etwa den schwedischen Möbelhersteller IKEA dazu veranlasst, demnächst in Astana und Almaty zwei große Einkaufszentren zu eröffnen. Die Zeichen, so scheint es, stehen auf Wandel. Nur in der Politik lässt der noch auf sich warten.

 

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