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Länderkarte Libyen


Noch bis in die jüngste Zeit war Libyen eine Terra incognita. Das hat sich nun geändert: Ein dramatischer Politikwechsel des „Revolutionsführers“ Oberst Muammar al-Ghadaffi bewirkt, dass sich der „Volksstaat“ allmählich aus der Verkapselung der letzten Jahrzehnte löst. Dadurch öffnet sich eines der entlegendsten und landschaftlich vielfältigsten Gebiete der Sahara, in dem die Geschichte tiefe Spuren hinterlassen hat. So galt Libyens Küstenlinie schon in der Antike als Tor zu Afrika, und in seinem scheinbar weglosen Hinterland kreuzten sich bis ins 19. Jahrhundert bedeutende transsaharische Karawanenwege.

Die NOMAD-Expedition führt ins Fezzan, eine Region von der Größe Frankreichs im Herzen der libyschen Sahara. Die Route verknüpft die Fäden der Vergangenheit mit den Menschen und Wüstenlandschaften der Gegenwart. Wir folgen den Spuren des antiken Berbervolks der Garamanten, treten in die Fußstapfen der ersten europäischen Forschungsreisenden und begegnen in den alten Oasenstädten Ghadames, Ghat und Murzuk den hier lebenden Tuareg und Tubu.

Unterwegs malt die Sahara vor unseren Augen eindrucksvolle Gemälde: in den versteckten Schluchten und Felsbildern des Djabal Akakus und des Wadi Mathendous; im smaragdgrünen Schillern der Mandara-Seen inmitten eines Ozeans aus Sand; besonders beim spektakulären Blick vom Kraterrand des schwer zugänglichen Waw an-Namus mit seinem schier unglaublichen Farbenspiel. Den Rahmen der Expedition bilden ausführliche Erkundungen der römischen Metropolen Leptis Magna und Sabratha.

Was nun folgt, soll kein Reisebericht sein. Vielmehr lassen wir jene zu Wort kommen, die selbst dort leben oder arbeiten oder vor Zeiten durch den Fezzan gereist sind: einen Einwohner der Oase Ghadames; die Archäologen David Mattingly, Savino di Lernia und Mario Liverani; vor allem Gerhard Rohlfs, einen der großen Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts, sekundiert von Gustav Nachtigal, einem weiteren Afrikaforscher jener Zeit.

"Gott allein kennt das Alter der Oase. Zweitausend, dreitausend Jahre, oder älter ist Ghadames. Man mag es bedauern, aber das Leben ist modern geworden und wir sind alle umgezogen, in die Neustadt nebenan, so ist das. Aber am Freitag ist alles, wie es immer war. Alles kommt zurück in die alte Stadt, jeder zu seiner Moschee, zum Freitagsgebet."

So erzählt ein alter Ghadami in einem Film der SWR-Reihe „Schätze der Welt“ (http://www.schaetze-der-welt.de/denkmal.php?id=122).


Der Ort: Ghadames, eine Oase im Grenzgebiet zu Algerien und Tunesien und eine der Stationen der NOMAD-Expedition. Ghadames, ein großer Name aus der Zeit des florierenden Saharahandels, ein fruchtbarer Ort inmitten der Ödnis der Wüste, umgeben von einem Ring aus Dattelpalmen, Haltepunkt und Hoffnungsschimmer zugleich für die verstaubten Karawanen auf ihrem Weg nach Timbuktu oder Kufrah oder zum Tschadsee oder hinauf zur Küste des Mittelmeers. Ghadames mit seinen labyrinthischen Gassen wie Höhlen, die, von Häusern überbaut, nur auf den Plätzen vor den Moscheen das Licht des Tages sehen.

"Unsere Vorväter betrieben den Karawanenhandel wirklich im großen Stil, mit Niederlassungen an Nil und Niger, wir hatten Leute in Tunis, Ägypten und tief im Kongo. Die Stadt war offen zur Welt, aber im Innern streng getrennt, in sieben Viertel; sieben Straßen, sagten wir immer. Jedes Volk lebte sein eigenes Leben, getrennt von den anderen, mit eigenen Plätzen, eigenen Moscheen. Es waren sieben geschlossene Gesellschaften. Bestimmte Schwellen waren Grenzen, die man nicht überschritt. Oft stritten die Viertel heftig, ums Wasser oder ums Geschäft, aber wenn Not war, wenn es brannte, oder Feinde kamen, war die Stadt eins."

Von Streit und Zwist der Ghadami weiß auch Gerhard Rohlfs, der große Afrikaforscher, der von 1862 bis 1879 sechs große Forschungsreisen unternahm durch Nordafrika, Ägypten, Abessinien und quer durch die Sahara über den Tschadsee bis zur Guineaküste. Im dritten Kapitel seines detaillierten Reiseberichts „Quer durch Afrika“ schreibt er:

„Die Bewohnerschaft teilt sich in zwei streng voneinander geschiedene Volksparteien oder Triben: die Beni-Uasit und die Beni-Ulit. Seitdem die Stadt unter türkischer Herrschaft steht, haben die blutigen Fehden aufgehört, womit die beiden feindlichen Triben einander bekämpften, aber die gegenseitige Abneigung währt noch in unvermindertem Grade fort. Kein Verkehr findet zwischen ihnen statt, daher selbst die Sprache beider mannigfaltige Verschiedenheiten erkennen läßt. Nie vermischten sich bis jetzt durch Heiraten die Beni-Uasit mit den Beni-Ulit; nie betritt ein Angehöriger der einen Tribe das Quartier der anderen, und so gibt es Rhadameser, die Kuka, Kano, Timbuktu, Tripolis und andere weit entfernte Städte gesehen, niemals aber einen Fuß in die andere Hälfte ihrer Vaterstadt gesetzt haben.“

Heute existiert Ghadames noch immer, doch „die große Zeit“, sagt der alte Ghadami, „ist lang vorbei. Mit der Kolonialzeit endeten die Karawanen. Aber die Tradition ist noch lebendig. Alle hüten hier noch die alten Warenlisten der Karawanen. Preise, zu denen die Karawanenführer an- und verkaufen sollten, schrieb man in den geheimen Ghadames-Ziffern.“

Auch eine eigene Zeitrechnung gab es in der Oase. Dazu notiert Gerhard Rohlfs:

„Die Verteilung des Wassers an die einzelnen Gärten wird durch Wasseruhren geregelt und erfordert ein sehr kompliziertes Verfahren, weil das Land in so kleine Parzellen wie kaum irgendwo sonst geteilt ist: Die meisten Gärten haben nicht mehr als zweihundert Quadratmeter Umfang, und viele sind nur halb so groß oder noch kleiner. Auf dem Marktplatz der Stadt steht eine Klepsydra, von den Eingeborenen »Gaddus« genannt, ein eiserner Topf mit einer runden Öffnung im Boden, durch welche das Wasser, wenn er vollgefüllt ist, in zirka drei Minuten abläuft, jedesmal, nachdem ein Gaddus durchgelaufen ist, schlingt ein dazu angestellter Knabe, der in gewisser Zeit von einem anderen abgelöst wird, einen Knoten in ein Palmblatt. Sieben Gaddus heißen eine »Dermissa« und geben eine ungefähr zwanzig Minuten anhaltende, für einen Garten mit sechzig Palmen genügende Berieselung.“

"Wie ein Haus mit drei Stockwerken“, meldet sich wieder der alte Ghadami zu Wort, „ sind unsere Gärten. Unten wächst Getreide oder Gemüse, darüber unsere Obstbäume und hoch oben, zum Schutz und Schatten, thronen unsere Palmen. Dreißigtausend, erzählen die Väter, gab es einmal, zu den besten Zeiten. Oh, wie du auf Deine Palmen geachtet hast! Wie auf deine Gesundheit. Immer hast du sie gepflegt. Deine Palmen, sie waren Dein teuerster Schatz. Die Datteln waren ja früher das Geld der Sahara. Klein und kompakt, haltbar, zugleich nahrhaft und leicht zu transportieren, waren sie auch der ideale Proviant für die Karawanen. Hier haben sie sich ausgerüstet. Hier war ja der Knotenpunkt der Karawanen für ganz Nordafrika."

Der Ursprung dieser herausragenden Bedeutung reicht zurück bis in die Antike. Gerhard Rohlfs erwähnt „die zum Teil noch aufrechtstehenden Ruinen runder und viereckiger Türme aus roh bearbeitetem Stein“ und fährt fort: „Alles deutet darauf hin, daß die Türme, lange bevor die Römer nach Rhadames kamen, wie man vermuten darf, von Garamanten errichtet wurden.“

Garamanten. Noch so ein großer Name. Er bezeichnet ein antikes Berbervolk, um dessen Existenz sich schon immer zahlreiche Legenden rankten. Der griechische Geschichtsschreiber schreibt um 430 v. Chr. in seinen "Historien": "Die Garamanten haben Wagen, mit vier Pferden bespannt, mit denen sie die äthiopischen Höhlenvölker jagen." Seltsam nur, dass es an anderer Stelle bei ihm heißt: „"In dem Teil Libyens, wo man wilde Tiere findet, leben die Garamanten, die jeden Kampf mit Menschen vermeiden, keine Waffen besitzen und sich nicht zu verteidigen wissen."

Gab es sie überhaupt, die Garamanten? Und wie gelang es ihnen, mitten in der Wüste ein Reich zu errichten, das, wie Plinius und andere antike Chronisten berichten, sogar den Römern zu trotzen vermochte? Archäologische Grabungen haben hier neuerdings für Aufklärung gesorgt. Seit 1997 erforscht der Brite David Mattingly das Wadi al-Ajal im Norden des Erg Ubari. Nahe dem modernen Ort Germa stieß er in rund vier Metern Tiefe auf die Reste massiver Steinbauten des 4. Jahrhunderts v. Chr. Teile davon gehörten ehemals offenbar zu einem Militärlager. Dies musste Garama sein, die geheimnisvolle Hauptstadt der Garamanten. "Alles spricht dafür, dass Garama ein stehendes Heer an Kriegern hatte", schließt Mattingly aus dem Befund.

Die NOMAD-Expedition gibt Gelegenheit, die Ruinen zu erkunden. Dazu gehören auch die Reste eines unterirdischen Kanalsystems, um die Felder Garamas zu bewässern. Das Wasser kam vom höher gelegenen Steinplateau des Hamada Murzuk. Die Kanäle, so genannte Foggara, nutzten das natürliche Gefälle zum Zentrum des Wadis. Das Bewässerungssystem erstreckte sich noch mehrere Kilometer jenseits der modernen Stadt Ubari. Zusätzlich profitierten die Garamanten offenbar von einem zu ihrer Zeit höheren Grundwasserspiegel, wie ein von ihnen gegrabener Brunnen vermuten lässt, der weniger als einen Meter tief ist. Doch auch Gerhard Rohlfs schreibt von durchaus bedeutenden Wasservorräten:

„Fast überall, wo ein mächtiges Felsplateau mittels steiler Wände auf die Ebene drückt, springen, selbst in der Sahara, Quellen aus der Erde hervor, die den Boden bewässern und in der Wüste dann Oasen entstehen lassen. Das Wasser einiger Quellen oder Brunnen ist vollkommen süß, das in anderen mehr oder weniger salzig oder mit alkalischen Bestandteilen vermischt. Oft kann man schon durch Aufkratzen des Bodens Wasser gewinnen, oft aber müssen auch recht tiefe Brunnen gegraben werden.“

Entsprechend umfangreich war das Sortiment der Anbaufrüchte zu seiner Zeit:

„Getreide wird hier durchschnittlich fünfmal im Jahr geerntet: In den Wintermonaten baut man Weizen und Gerste, im Frühjahr, Sommer und Herbst die verschiedenen Hirse- und Durra-Arten, namentlich Ksob und Ngafoli. Ksob, zuerst im März eingesät, gewährt eine viermalige Ernte, deren letzte freilich, die im Dezember stattfindet, der Kälte wegen nicht mehr zu völliger Reife gelangt, doch geben Halm und Frucht ein vorzügliches Viehfutter. Fast alle Gemüsearten, auch die europäischen, würden in diesem Klima gedeihen, leider baut man aber nur die in der Zone gewöhnlichsten, im Sommer Melonen und Gurken, im Herbst Rüben und Wurzeln, im Winter Bohnen, im Frühjahr Mlochia und einige andere.“

Ähnliches darf man für das Reich der Garamanten vermuten. Deren Hauptstadt schätzt David Mattingly auf 10.000 Einwohner. Wirtschaftliche Grundlage des Reichs war neben der Landwirtschaft die Kontrolle der Karawanenrouten. Nicht von ungefähr stießen die italienischen Archäologen Savino di Lernia und Mario Liverani weiter südlich, in der Nähe der Oasenstadt Ghat, auf die Überreste einer kleinen Festung nebst einem Gräberfeld auf den Anhöhen der nahen Tassili-Berge. Eines der Gräber ist besonders reich ausgestattet, darunter Tierleder, blauen Farbstoff und Wollkleider – lauter Beigaben, die in der Wüste einen hohen Wert besitzen. "Wenn jemand Hunderte von Kilometern südlich der Hauptstadt so aufwändig beigesetzt wurde, spricht das für ein sehr großes Reich", resümiert Savino di Lernia.

Auch die NOMAD-Expedition erreicht Ghat und startet von dort in das Akakus-Gebirge mit seinen Hunderten von neolithischen Felsabbildungen von Giraffen, Elefanten, Krokodilen, Gazellen, Nilpferden. Sie entstanden lange vor den Garamanten und erzählen von einer Zeit, in der die Sahara eine grüne Savanne war.

Auf dem Weg zum Djabal Akakus kreuzt die Expeditionsstrecke die berühmten Mandara-Seen, die auch Gerhard Rohlfs beschreibt:

„Nördlich vom Uadi es-Schergi liegen inmitten hoher Sanddünen zehn Seen mit salzigem, in mehreren auch natronhaltigem, aus dem Seegrund selbst hervorquellendem Wasser. Sie sind sämtlich von Palmen umgeben, und meist findet sich in unmittelbarer Nähe ein Brunnen oder eine Quelle mit Süßwasser, daher an ihren Ufern hier und da eine seßhafte Bevölkerung wohnt. Besondere Erwähnung verdient unter ihnen der zirkelförmige, im Durchmesser zirka dreihundert Meter große und an den tiefsten Stellen vierundzwanzig Fuß tiefe Behar-el-Dud oder Gabra'un (Wurmsee), so wegen eines in ihm lebenden Insekts genannt, das von den Fesanern gegessen wird und ähnlich wie Kaviar schmecken soll. Das Wasser des Sees enthält so große Mengen Salz, daß es beinahe wie Sirup aussieht. Zwei bis drei Meter von seinem Südufer entfernt fließt eine süße Quelle.“

Zuletzt geht es über den ehemaligen Sklavenumschlagplatz Murzuk zum Waw an-Namus. Wer diesen einsamen Vulkankrater erreichen will, muss eine Ödnis passieren, die 1869 schon den Afrikaforscher Gustav Nachtigall auf seiner Reise von Tripolis durch die Sahara zum Tschadsee beeindruckte ("Sahara und Sudan", Kap. 2):

„Die vor mir liegende, sanft ansteigende Ebene, die dicht mit kleinen, abgeschliffenen Steinen bedeckt war, übertraf an großartiger Einförmigkeit alle bis dahin gesehenen Ebenen dieser Art. Nichts, woran das Auge haften konnte, auch nicht die leiseste Spur von Leben, ein vollständiges Bild der Leere und der Unendlichkeit. Nirgends fühlt der Mensch sich so klein und verloren, und doch wieder nirgends so stark und gehoben, als am Kampfe mit dieser hilflosen Verlassenheit, im leblosen, scheinbar unbegrenzten Raum. Wüstenreisen machen den Menschen ernst und nachdenklich, und die echtesten der Wüstensöhne, die Tuarik und die Tuba, die ihr ganzes Leben in diesem einsamen Kampfe gegen den weiten, wüsten Raum verbringen, haben ein fast finsteres Aussehen, zu dem keine harmlose Heiterkeit mehr zu passen scheint.“



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