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  SUD
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Länderkarte Sudan

Der Nil beginnt nicht erst in Ägypten. Seit der Dämmerung der Menschheitsgeschichte siedelt an seinem Oberlauf eine wechselnde Völkervielfalt, die im Norden des heutigen Sudan die frühe Hochkultur der Nubier hervorbringt. Vom Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. an gerät Nubien wiederholt unter die Herrschaft der ägyptischen Pharaonen. Kurz vor der letzten vorchristlichen Jahrtausendwende etabliert sich hier das Königreich Kusch, das während seines 600jährigen Bestehens kurzzeitig sogar seinen Einfluß auf ganz Ägypten ausdehnen kann.

Die Christianisierung Sudans im 6. Jh. setzt der bald darauf heranwogenden arabisch-islamischen Eroberung für lange Zeit eine unüberwindliche Grenze. Erst mit Beginn des 13. Jhs. gewinnt der Islam auch hier allmählich die Oberhand. Muslime arabischer Herkunft dominieren fortan den Norden des Landes, während im Zentrum das Reich der nichtislamisierten Funj entsteht.


Dagegen hüllt sich Südsudan, dessen tropische Vegetation und schwarzafrikanische Bevölkerung sich schon rein äußerlich eklatant von dem größtenteils ariden und arabisch bestimmten Norden unterscheiden, bis ins 19. Jahrhundert hinein in geschichtliches Dunkel. Erst die Ausweitung des Sklavenhandels durch die osmanischen Herrscher Ägyptens katapultiert die Region unsanft in die machtpolitischen Verwicklungen der Neuzeit.


Britische Kolonialinteressen im Kielwasser des Suez-Kanalbaus bestimmen zunehmend die Geschicke Ägyptens und machen auch vor dem südlichen Nachbarland nicht halt. Sie provozieren einen muslimischen Aufstand unter der Führung des charismatischen „Mahdi“ Muhamad ‘Ahmad, der 1885 in Khartum einmarschiert und dort eine islamische Theokratie errichtet. 1898 findet sie ein gewaltsames Ende, als englische Truppen den Sudan zurückerobern und das Land unter britisch-ägyptische Verwaltung stellen.

Der Unabhängigkeit der Republik Sudan 1956 folgt eine Reihe instabiler ziviler und militärischer Regierungen. Wiederholte Versuche der muslimischen Mehrheit im Norden, der vorwiegend animistischen und christlichen Bevölkerung des Südens die Herrschaft der Zentralregierung aufzuzwingen, führt 1963 zum Ausbruch des ersten Bürgerkriegs. Ein 1972 unterzeichnetes Abkommen, das dem Süden begrenzte Autonomie garantiert, sorgt vorübergehend für Entspannung. Anfang der 80er Jahre jedoch flackern erneut Kämpfe auf, verschärft 1983 durch die (später zurückgenommene) Einführung der Shari’a als landesweit geltendes Recht. Seither hat der Konflikt mindestens 1,2 Millionen Menschenleben gefordert. Friedensgespräche scheitern ebenso regelmäßig, wie Waffenstillstands-Vereinbarungen gebrochen werden. Auch das Jahr 1989, in dem sich der amtierende Präsident ‘Ahmad al-Bashir mit Hilfe des Militärs an die Macht putscht, bringt keine wesentlichen Impulse. Mittlerweile zerfällt die bewaffnete Opposition in so viele Splittergruppen, daß die Gefahr einer vollständigen Auflösung staatlicher Strukturen nach dem Vorbild Somalias besteht. Das hätte verheerende Konsequenzen für Gesamtafrika – immerhin grenzt Sudan an neun Nachbarländer.


In der Tat lähmt der permanente Kriegszustand das öffentliche Leben. Ernteausfälle führen immer wieder zu schweren Hungersnöten, deren Opfer in die Hunderttausende gehen. Das größte Land Afrikas, so scheint es, ist vor allem ein Land der großen (menschengemachten) Katastrophen. Doch die negativen Schlagzeilen beschreiben – wie so oft – nur einen Ausschnitt der Realität. Der andauernde Notstand prägt den Alltag der Menschen, vielerorts zerstört er ihre Lebensgrundlagen, doch er nimmt ihnen nicht ihre kulturelle Identität. Darin liegt ihr Reichtum.


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