Nomad - Reisen zu den Menschen
OMAN | ARABIEN | AFRIKA | ASIEN | INFO | BLOG
06591 / 94 99 80

Wir rufen Sie auch gerne zurück. Bitte hinterlassen Sie uns Ihren Namen und Ihre Telefonnummer.





Oder schreiben Sie uns eine Email:
Mail an Nomad-Reisen >>

  m
zurück zur Länderinfo Essay Hintergrundbericht

Länderkarte Sudan


Der Bürgerkrieg in Darfur im Westen Sudans gerät immer wieder in die Schlagzeilen. Angesichts der brutalen Gewalt, mit der er geführt wird, müsste er eigentlich für wesentlich mehr Aufruhr in der Weltöffentlichkeit sorgen, und das schon seit vielen Jahren. Dennoch gewinnt er gerade jetzt an Aufmerksamkeit. Kritik an dem Darfur-Konflikt kommt vermehrt auch aus den Reihen der internationalen Kulturprominenz. Stellvertretend sei hier nur das Engagement der US-amerikanischen Hollywoodgrößen Mia Farrow und George Clooney genannt.


Vor diesem Hintergrund äußern manche unserer Mitreisenden Unverständnis dafür, dass NOMAD den Sudan nach wie vor im Programm führt. Beklagt wird der beispiellose Völkermord, der in Darfur vor sich gehe. Die Regierung, so heißt es, dulde diesen Genozid und fördere ihn sogar noch. Dorthin zu reisen komme einer Unterstützung der Regierung gleich. Zudem sei die Sicherheitslage für Reisende prekär wenn nicht lebensgefährlich.

Unsere Einschätzung der Situation ist eine gänzlich andere. Wir halten ganz bewusst am Sudan als Reiseziel fest. Warum das so ist, legen wir im Folgenden dar.


Sicherheitslage

Sudan ist der größte Staat Afrikas und erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 2,5 Millionen Quadratkilometern. Das entspricht in etwa der europäischen Landmasse von der Oder westwärts. Anders ausgedrückt: Sudans Nord-Südausdehnung misst so viel wie die Strecke Palermo-Berlin, die Entfernung von der Westgrenze (Tschad) bis zur Ostgrenze (Äthiopien) gleicht der Distanz London-Barcelona. Innerhalb dieser Grenzen wurden 572 Ethnien gezählt, die in ihrer Gesamtheit den Übergang von der arabischen Welt nach Schwarzafrika markieren. Klimatisch gehört das Land drei Zonen an: Im Norden herrscht Wüstenklima, im Zentralsudan trockenheißes Steppenklima und im Süden wintertrockenes Savannenklima.

Wer Sudan bereist, hat es demnach mit einer Vielzahl völlig unterschiedlicher Regionen zu tun. Der Darfur-Konflikt wütet in der gleichnamigen westlichsten Provinz des Landes und verheert überdies die angrenzenden Landesteile des westlichen Nachbarn Tschad. Wir dagegen sind während unserer Touren ausschließlich in den nördlichen Provinzen Shamaliyah, al-Bahr al-Ahmar und Kurdufan unterwegs, die – zumindest bislang – nicht von Unruhen erfasst sind. Entsprechend stellt das Auswärtige Amt fest, dass die nördlichen Bundesstaaten und die Landesmitte ohne Einschränkungen bereist werden können.


Vorwurf des Völkermords

Die Medien sprechen im Zusammenhang mit dem Darfur-Konflikt von 200.000 bis 400.000 Todesopfern und ca. 2,5 Millionen Vertriebenen. Die Rede ist von Arabermilizen, die – gesteuert von der islamistischen Regierung in Khartum – die schwarzafrikanische Bevölkerung der Region mit gezielten Angriffen dezimieren.


Diese Darstellung ist gleich in mehrfacher Hinsicht fragwürdig. So stammt sie von Berichterstattern, die die Region entweder gar nicht kennen oder sich nur kurz dort aufgehalten haben. Zudem sind die hohen Opferzahlen bislang durch keinerlei Belege gestützt. Die Identifizierung lediglich zweier Konfliktparteien schließlich geht vollkommen an den tatsächlichen Auseinandersetzungen vorbei. Deren Verlauf ist vielmehr von verwirrenden und ständig wechselnden Frontlinien und Koalitionen geprägt.


Um sich ein genaueres Bild zu verschaffen, empfehlen wir dringend den Artikel von Stefan Kröpelin in der österreichischen Zeitschrift "International. Die Zeitschrift für internationale Politik" (Wien), Heft IV, 2006 (http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Sudan/kroepelin3.html).

Kröpelin ist Mitglied der Forschungsstelle Afrika, einer Abteilung des Instituts für Ur- und Frühgeschichte an der Universität zu Köln. Er kennt den Nordwesten Sudans wie kaum ein anderer. Als Geograph und Geoarchäologe erforscht er seit mehr 25 Jahren die Klima- und Besiedlungsgeschichte der Sahara. Seit 1980 hat er rund 40 mehrmonatige Forschungsexpeditionen in die östliche Sahara unternommen.


Wir kennen Stefan Kröpelin persönlich und haben im Zusammenhang mit unseren Ostsahara-Reisen mehrfach auf seine Expertise zurückgegriffen. Seine Einschätzung des Darfur-Konflikts genießt aufgrund seiner langjährigen Verbundenheit mit der Region höchste Glaubwürdigkeit, gerade weil sie der gängigen Medienberichterstattung grundlegend widerspricht.

Bereits am 14. Oktober 2004 kommentierte er den angeblichen Gegensatz zwischen arabischer und schwarzafrikanischer Bevölkerung mit den Worten: „Tatsache ist, dass alle Sudanesen schwarz sind und Bilad es Sudan nicht ohne Grund Land der Schwarzen heißt. Tatsache ist auch, dass alle Sudanesen Afrikaner sind, dass es bis auf die wenigen vor etwa 200 Jahren aus Saudi-Arabien eingewanderten Kababisch keine "Araber" in ethnischem Sinne gibt, und dass praktisch sämtliche Bewohner der nördlichen Landeshälfte Muslime sind und Arabisch sprechen.“


Doch auch zwei Jahre später nimmt die Weltöffentlichkeit davon keine Notiz. „Im besten Fall“, schreibt Kröpelin im Dezember 2006, „gründen sich die Nachrichten auf »Helikopter-Reporter«, die mit bereits vorgefasster Meinung für ein paar Tage angereist kommen. … Versuche, von der einförmigen Meinung abweichende Beiträge, Leserbriefe oder nur sachliche Richtigstellungen in deutschen Medien wie Zeit, Spiegel, Stern oder Tageszeitung unterzubringen, blieben mit Ausnahme der Frankfurter Rundschau und der Süddeutschen Zeitung erfolglos.“

In unseren Augen ist es höchste Zeit, dass sich an dieser einseitigen Berichterstattung etwas ändert. Der Text Stefan Kröpelins leistet dazu einen fundamentalen Beitrag.


Weitere ebenso ausführliche wie aufschlussreiche Artikel finden Sie unter:


www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Sudan/henken.html#15

www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25482/1.html

www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/644870 (in Suche Stichwort „Sudan“ eingeben)


Reisen in „Schurkenstaaten“

Der Begriff „Schurkenstaat“ ("rogue state") ist eine Erfindung der amtierenden US-Administration. Gemeint sind Länder, die nach Auffassung der US-Regierung den Terrorismus unterstützen. Seit einiger Zeit gebraucht die US-Regierung dafür den abgeschwächten Terminus „state of concern" (Besorgnis erregender Staat). Sudan gehört dazu und wird von den USA entsprechend mit Sanktionen belegt.


Abgesehen davon, dass Sanktionen in der Regel die Falschen treffen (man denke an die verheerenden Folgen der Sanktionspolitik gegen Irak zur Zeit Saddam Husseins), nimmt die Ächtung einer Regierung in Kauf, ganze Volksgruppen zu kriminalisieren. Dies trifft in besonderem Maße auf Sudan zu, wird doch der eskalierende Darfur-Konflikt gemeinhin dem Machtanspruch der so genannten arabischen Bevölkerung zugeschrieben.


Unbestritten ist, dass der Militärregierung Sudans die demokratische Legitimierung fehlt. Ebenso jedoch liegt auf der Hand, dass die Bewohner der nordsudanesischen Nilprovinzen Shamaliyah und al-Bahr al-Ahmar keinerlei Verantwortung für die Gewalttätigkeiten in der westsudanesischen Provinz Darfur tragen, auch wenn sie – wie die meisten Nordsudanesen – Muslime sind und Arabisch sprechen.


Diese Menschen sind das Ziel unserer nomad-Reisen nach Sudan. Wir unterstützen damit weder die Regierung des Landes noch sonstige überregionale Institutionen. Stattdessen arbeiten wir, wie in der Einleitung unseres Katalogs ausgeführt, „ausschließlich mit Agenturen zusammen, die unsere Überzeugungen kennen und durch ihre Arbeit unterstützen. … Wir nutzen und fördern vorhandene anstatt neuer Infrastrukturen, die nur für den Tourismus geschaffen werden. … Wir kaufen fast ausschließlich und wo irgend möglich im Land produzierte Waren und übernachten zumeist in Hotels, die von ortsansässigen Familien betrieben werden.“ Auf diese Weise tragen wir dafür Sorge, dass der Gewinn aus dem Tourismus dort bleibt und Früchte trägt, wo er erwirtschaftet wird.


Darüber hinaus unterstützen wir verschiedene Nicht-Regierungs-Organisationen (NRO's) und lokale Initiativen. Neuerdings gehört dazu auch ein Projekt, das im Zusammenhang mit den tief greifenden Veränderungen im Gefolge des Staudammbaus am 4. Nilkatarakt steht. Das Projekt begleitet die Manasir
bei dem schweren Prozess der Umsiedlung und hilft, das kulturelle Erbe dieser Bevölkerungsgruppe zu dokumentieren und es für nachfolgende Generationen zu erhalten (Informationen: http://www2.hu-berlin.de/aknoa/hune/hune.htm).


Für Fragen und weitere Informationen stehen wir gern zur Verfügung. Abgesehen davon würden wir uns freuen, wenn diese Stellungnahme zu unserem anhaltenden Engagement im Sudan eine differenziertere Diskussion über den Darfur-Konflikt fördern würde.

 

Essay Sudan

zurück zu den Länderinfos              

.
KONTAKT


Mo-Fr 10:00 - 13:00
und 14:00 - 17:30

Tel. 06591/94998-0
Mail an nomad

#