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Zwei Wesenszüge scheinen die Einwohner des größten Landes der Arabischen Halbinsel besonders zu kennzeichnen: ein steiles, petro-dollar-geschwängertes Selbstbewußtsein und der Verlust ihrer kulturellen Identität. In der Tat hat die Ausbeutung der riesigen Ölvorkommen seit den 1930er Jahren aus nomadisierenden Kamelhirten binnen kürzester Zeit schwerreiche Finanzjongleure an den Börsen der internationalen Geschäftswelt gemacht und eine nach unseren Maßstäben archaische Gesellschaft in die Gegenwart katapultiert. Doch diese Metamorphose trifft allein auf die Gewinner eines jahrhundertealten, oft mörderischen Machtkampfes um die wenigen Brunnen und Oasen in den Wüsten des zentralen Arabien zu.

Der Aufstieg der aus dem Nadjd stammenden Sa’ud-Familie zur unumschränkten Macht wurzelt in einem religiösen Streiter des 18. Jahrhunderts, Muhamad ibn ‘Abd al-Wahhab, der besonders den schiitischen „Heiligenkult“ als Abkehr von der reinen Lehre brandmarkt und die kompromißlose Rückkehr zu Allah als alleiniger göttlicher Instanz predigt. Muhamad ibn Sa’ud, bis dato einfacher Stammesführer, macht die Verbreitung des Puritanismus al-Wahhabs zu seiner persönlichen Aufgabe und zur Grundlage seines politischen Führungsanspruchs: Seit dem Tod al-Wahhabs 1792 führen die Sa’uds sogar den Titel „Imam“ (Vorbeter) als Ausdruck ihrer nunmehr auch religiösen Autorität.


Der raschen Ausbreitung des ersten Wahhabiten-Reichs vom Nadjd in den Westen stellen sich 1816 die Osmanen entgegen, die als Khalifen gleichzeitig Hüter der heiligen Städte im Hidjaz sind und den ungehinderten Zugang der Pilger aller islamischen „Konfessionen“ zu gewährleisten haben. Doch weder die Osmanen noch die mächtige Familie ar-Rashid aus dem nördlich gelegenen Ha’il vermögen sich den Sa’ud auf Dauer zu widersetzen. Ihr erfolgreichster Sprößling ‘Abd al-’Aziz ibn Muhamad ibn Sa’ud nimmt 1921 die Stadt Ha’il und nur drei Jahre später den Hidjaz im Handstreich und legt damit den Grundstein für den heutigen Staat.


Es gelingt ihm wie auch seinen Nachfolgern, die traditionellen Werte der Stammesgesellschaft — Konsultation aller machtvollen sozialen Gruppen bei der Entscheidungsfindung, geschickte Heiratspolitik zur Einbindung potentieller Widersacher, Übernahme sozialer Verpflichtungen in Form von finanziellen Donationen — bei gleichzeitiger vorsichtiger Modernisierung in die Jetztzeit hinüberzuretten und damit den religiös begründeten Führungsanspruch zu untermauern und auszubauen.

Allerdings bewahren allein die sprudelnden Ölquellen die an sich mittellosen, inzwischen von den Einnahmen aus dem Pilgerverkehr nach Makka abhängigen Sa’ud vor dem finanziellen Kollaps. Die Erdölmilliarden werden von den Nachfolgern ‘Abd al-’Aziz’ klug zum Machterhalt eingesetzt. Von unzufriedenen Erzkonservativen, der benachteiligten schiitischen Minderheit oder im Ausland geschulten Technokraten initiierte Unruhen beantworten die Sa’ud einerseits mit gnadenloser Strenge, andererseits mit teuren Entwicklungsprogrammen für vernachlässigte Regionen.


Nicht zuletzt dank der kleisternden Ölmilliarden ist es den Sa’ud bislang gelungen, eine vergleichsweise statische Gesellschaftsordnung aufrechtzuerhalten ohne die oft gewalttätigen Verwerfungen, die die neuere Geschichte der benachbarten Staaten prägen. Doch ist ihnen spätestens seit dem Verfall der Ölpreise in den 80er Jahren bewußt geworden, daß ihre Wirtschaft und damit das gesamte System mit den begrenzten Ölvorräten steht und fällt. Diversifikation heißt deshalb die Parole, und es kann kaum verwundern, daß nun auch der Tourismus als Wirtschaftsfaktor ins Blickfeld gerät. Das eröffnet die Chance, ein wenig hinter den schwarzen Schleier zu blicken und dabei festzustellen, daß es im Land der petro-dollar-geschwängerten Sa’ud-Familie immer noch Kamelhirten gibt.

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